Albanien - Einundzwanzigster Tag, Dienstag, 12.05.2026
Die ganze Nacht hindurch hatte es recht starken Wind gegeben, das Meer lag heute morgen nicht mehr so ruhig da, wie gestern Abend. Doch die Sonne schien und wir konnten draußen vor dem Wohnmobil mit Meerblick frühstücken.
Heute saß ich wieder am Steuer und es galt, die steile, unbefestigte Straße den Hang wieder hinauf zu fahren.
Nur mit viel Gas konnte dies gelingen, die Räder drehten zweimal kurz durch, ich trat das Pedal noch weiter runter und im ersten Gang schaffte es der Wagen schließlich bis oben, bis es wieder ebener wurde. In solchen Situationen darf nicht gezögert werden, sonst hängt man fest.
Wir fuhren nun die Teerstraße weiter Richtung Spitze des Kaps, etwa einem Kilometer vorher kam eine Schranke und wir hatten 10,-€ Maut zu entrichten.
Auf dem Wiesenparkplatz in der Nähe der St. Antoniuskirche parkten wir, weiter ging es nicht. Nun erstmal zu dieser Kirche, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und wertvolle Fresken beherbergt.
In der Zeit des Kommunismus, wo Religionsausübung verboten worden war, wurde die Kircher zerstört, ist danach aber sorgfältig wieder aufgebaut worden. Leider ereilte sie 2019 eine erneute Zerstörung durch ein Erdbeben, dennoch erstrahlt sie wieder in ganzer Schönheit.
Wir liefen etwas am Strand entlang und entdeckten hier an der Küste Unmengen von Bunkern. Der paranoide kommunistische Diktator Enver Hoxha (das „xh“ wird im albanischen wie „dsch“ gesprochen) hatte in seiner Zeit von 1946 bis 1985 schätzungsweise 700.000 Bunker im ganzen Land bauen lassen aus Angst vor feindlichen Angriffen. Das Kap Rodon als ins Meer hinausragende Landspitze ist wohl besonders gesichert worden. Auch hier zeigt sich der Wahnsinn linker, kommunistische Ideologie, die offenbar in Deutschland beflissentlich übersehen wird.
Doch leider nicht nur jede Menge Bunker fanden wir hier vor, sondern auch Unmengen von angeschwemmten Plastikmüll, vor allem Plastikflaschen. Bei all diesem Müll fragt man sich, was denn diese idiotische EU-Verordnung der an Getränkeverpackungen befestigten Deckel soll? Damit die nicht im Meer landen? Da landet doch die ganze Flasche.
Festung Skanderbeg
Wir versuchten nun am Strand entlang zur Festung des albanischen Nationalhelden George Kastrioti Skanderbeg zu gelangen, doch leider verhinderten steil ins Meer abfallende Felsen den weiteren Weg.
So ging es dann anders weiter, zurück zum Parkplatz und von dort durch den Wald und entlang der steilen Südküste hinunter zur den Resten der ehemaligen Festung.
Viel ist nicht übrig, einige Mauern, mehr nicht. Hier trafen wir auf zwei Männer, offenbar Mitarbeiter einer Naturschutzbehörde, die dabei waren, einige Plastikflaschen aufzusammeln. Wir versuchten, ein paar Worte mit einem der Männer zu wechseln, doch er verstand weder Deutsch noch Englisch.
Doch dann er zückte sein Telefon und rief jemanden an. Es meldete sich sein Sohn, der mal in Hamburg lebte und Deutsch sprach. So konnten wir ein wenig kommunizieren, danach wurde noch ein Gruppenbild mit uns gemacht und wir konnten weiter.
Wir gingen immer am klarblauen Wasser der Adria entlang, nur noch um diese Kurve, um einen Blick auf die Spitze des Kaps zu werfen. Doch die Kurve wurde zu einer 180 Grad Kurve, wir hatten schon die Spitze erreicht. Leider konnte man nicht weiter herum, um dann wieder den Rückweg durch den Wald zu erreichen, die Steilküste verhinderte ein Hochkommen.
Also den gleichen Weg in dieser wunderschönen, von der herrlichen Sonne beleuchteten Natur zurück. Wir genossen Sonnenwärme und Aussicht noch ein wenig auf den Festungsmauern, dann ging es zurück zum Wagen und Richtung Hauptstadt.
Wagenwäsche und Hauptstadt
Auf zunächst recht schlechter Schnellstraße ging es voran, die meisten Autos fuhren auf der Überholspur, da die rechte Spur arg holprig und mit Schlaglöchern übersäht war.
Unterwegs hielt ich immer wieder Ausschau nach Schildern mit der Aufschrift „Lavazh“, denn ich wollte dem Wagen nach drei Wochen mal wieder eine Reinigung gönnen. In Albanien gibt es massenhaft Autowaschplätze, meist überdacht und nur für PKW geeignet.
Doch dann sah ich an einer Tankstelle einen Waschplatz mit einer hohen Halle, hierhin steuerte ich den Wagen, wo er professionell mit Schaum und viel Wasser vom Dreck und Staub der vergangenen Wochen befreit wurde. Sogar die Reifen erhielten einen Glanzanstrich, sodass sie fast wie neu aussahen.
Geordnetes Verkehrschaos
Ich las, man sollte möglichst vermeiden, durch die Innenstadt von Tirana zu fahren, doch um unseren Stellplatz zu erreichen mussten wir es.
Insbesondere bei Kreisverkehren herrscht ein unglaubliches Chaos, jeder schiebt sich hinein oder an einer Ausfahrt quer durch den Verkehr wieder hinaus. Man muss ungeheuer aufpassen, um nicht mit anderen Fahrzeugen zu kollidieren, doch es passierte nichts.
Und man sieht auch keine verbeulten oder ramponierten Autos in Tirana oder Albanien. Irgendwie beherrschen hier alle das Chaos.
Weg in die Stadt Tirana
Unser Stellplatz war bald erreicht, erstaunlicherweise standen hier schon einige Wohnmobile aus Deutschland und es kamen im Laufe des Nachmittag noch etliche hinzu.
Wir erholten uns noch ein wenig auf dem Platz in der Sonne und gingen dann kurz vor 18 Uhr, geführt vom google Navi, Richtung Innenstadt bzw. den Gewürz- und Souvenirmarkt Pazar i Ri und einem dort befindlichen Restaurant mit traditioneller Küche.
In Tirana gibt es nicht mehr viel Historisches, die kommunistischen Herrscher ließen vieles abreißen und hässliche Wohnbauten errichten.
Man müht sich, die Stadt in einzelnen Bereichen wieder lebenswert zu machen, so auch im Bereich um den Pazar i Ri. Das ausgesuchte Restaurant sah gut aus, man merkte, hierher kommen viele Reisende und Touristen.
Das bestellte Essen war schmackhaft aber auch nicht für Albanien unbedingt preiswert, doch wir waren zufrieden.
Tirana von oben
Auf unserem Rückweg steuerte ich noch die „Observatori Bar“ im 13. Stock eines hohen Gebäudes an, von der aus man bei einem guten Cocktail und einem Aperol Spritz die gerade rot untergehende Sonne beobachten konnte und einen wunderbaren Blick über die Stadt hatte.
Wir blieben bis kurz vor 21 Uhr und gingen dann durch die recht dunkle Stadt zurück zum Wohnmobil. Hier saßen wir noch ein wenig beim Wein draußen, bis es dann Beate mit den kleinen Stechviechern zuviel wurde und wir uns in Fahrzeug zurückzogen.
Wieder war ein wunderschöner Tag in Albanien vergangen.
Touren – Informationen
Gefahrene Kilometer: 61,8 km
Google – Landkarte: Vom Kap Rodon in die Hauptstadt Tirana
Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 41.342 224
Längengrad: 19.813 623






















