Inselhopping – die Zweite

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Sechsundzwanzigster Tag, Montag, 06.06.2022

Dachte ich doch, die Mücken wären nur abends aktiv und der Morgen beschert uns ein schönes Frühstück unter leuchtender Sonne im Freien. Doch kaum hatten wir am gedeckten Tisch Platz genommen, fielen sie über uns her. Also schnell alles zusammengepackt und im Wohnmobil gefrühstückt.

Fionnphort
Hafen von Fionnphort

Um kurz vor zehn Uhr mussten wir am Anleger sein, das Boot zur Insel Staffa kam vom Inselchen Iona zu uns herüber. Wir nahmen an Bord platz und los ging es. Kurze Zeit später ein erster Hingucker, auf einem Felsen sonnten sich drei große und ein kleiner Seehund und ein weiterer nahm ein erfrischendes Bad.

Seehunde

45 Minuten dauerte die Fahrt, dann kamen wir der kleinen Insel Staffa ganz nah. Sie ist schon recht beeindruckend, auf einem steinernen Sockel stehen unzählige regelmäßige Basaltsäulen, bedeckt mit wahllos verteilten kleineren Säulen aus erstarrter Lava. Das Ganze sieht aus wie ein kleiner Kuchen mit Sahnehaube. Beeindruckend eine riesige Höhle in der Felswand, die Fingal`s Cave. Daneben gibt es noch eine kleinere, torähnliche Höhle im steinernen Sockel, die Boat Cave.

Insel Staffa
Insel Staffa

Der Bootsführer steuerte das Boot an die Längsseite der Insel, wo sich ein Betonanleger befand. 11:00 Uhr war es, wir bekamen bis 12:15 Uhr Zeit, die Insel mit ihren Höhlen und Brutstätten, vor allem der Papageientaucher zu erkunden. Wir gingen zunächst am Ufer entlang, gesichert durch einen Handlauf, über die Lavasäulen zur Fingal´s Cave. Äußerst beeindruckend diese tief eingeschnittene Höhle, wie eine Säulenhalle nach hinten schmaler werdend, aber immer noch gewaltig. Die Akustik in der Höhle war toll, Beate meinte sofort, hier könnte man schöne Chorkonzerte veranstalten. Tatsächlich wird die Höhle auch „Musical Cave“ genannt. Leider konnte man nicht bis zum Ende hinein.

Insel Staffa
Insel Staffa

Es ging zurück und eine Treppe hinauf, um dann zu den Brut- und Nistplätzen der Papageientaucher zu gelangen. Hier saßen viele dieser kleinen bunten, clownähnlichen Vögel und ließen sich überhaupt nicht von den Besuchern stören. Man konnte bis auf ein, zwei Meter an sie herankommen, ohne das sie wegflogen. Sind wohl Menschen gewöhnt und wissen, dass diese großen Wesen mit ihren Fotoapparaten ihnen nichts tun. So verbrachten wir eine ganze Weile und beobachteten die Tiere, wie sie abflogen nach unter aufs Meer oder heraufkamen und mit nach vorn gestreckten Füßen zur Landung ansetzten. Hier hatten sie ihre Höhlennester, verschwanden hinein oder kamen plötzlich überraschend irgendwo aus dem grasigen Hang.

Papageientaucher
Papageientaucher
Papageientaucher

Als sich unser abseits des Anlegers vor Anker dümpelndes Boot wieder in Bewegung setzte, mussten wir aufbrechen und zurück. Die Zeit war um, es ging wieder Richtung Fionnphort. Kurz vor der Insel Iona kam dann der Bootsführer und deutete aufs Wasser, dort wären Minkwale unterwegs. Und tatsächlich konnten wir mehrere Male den dunklen Rücken mit der gebogenen dreieckigen Rückenflosse sehen, als der Wal kurz Luft holen musste. So legten wir eine kurze Walbeobachtungsrunde ein, dann war er weg und es ging die letzte Strecke zum Hafen. Es war eine wunderbare, interessante und auch besondere Besuchsfahrt zu diesem Inselchen, das 1986 ein amerikanischer Geschäftsmann als Geschenk zum 60. Geburtstag seiner Frau gekauft hat. Er hatte es danach dem schottischen Naturschutzbund geschenkt, der es zum Nationalpark machte.

Wal
In der Ferne sehen wir einen Wal

Die weitere Fahrt führte zunächst zu einer alten Weberei mit angrenzendem Laden, wo alles vom Schaf bis zum fertigen Stoff selbst gemacht wird. Leider sind Schafwollprodukte sehr kratzig, sodass Beate keinen Schal kaufte. Ein kurzer Blick in den Raum mit den Webstühlen folgte, sehr alte und sehr laute Maschinen, man musste Ohrschützer tragen.

Weberei
Weberei
Weberei

Im weitere Verlauf der Fahrt ging es nun ein Stück die gleiche Straße zurück die wir gestern hergefahren sind, dann bogen wir ab auf die Küstenstraße westlich um die Insel herum. Sie war sehr schmal und in sehr schlechtem Zustand, landschaftlich aber phantastisch. Obwohl der Himmel etwas verschleiert und das Licht nicht mehr so gleißend war wie gestern, konnten wir uns an den Naturschönheiten nicht satt sehen. Die Straße führte eng am Ufer entlang vorbei an großen Felsbrocken und steilen Hängen. Weit ging es um ein Loch herum und irgendwann beschlossen wir, Richtung Tobermory eine Abkürzung zu fahren, der Weg an der Küste entlang wäre einfach zu weit gewesen. So ging es auf noch engerer Straße mit fast gar keinen Passing Places weiter, der Wagen passte gerade auf das schmale Asphaltband. Zum Glück kam auf der ganzen Abkürzungsstrecke nur ein Auto entgegen.

Wir wären gern nach Tobermory gefahren und hätten mal wieder einen Pub besucht, leider ist auf allen Parkplätzen im Ort das Parken über Nacht verboten. Also suchten wir vorher einen geeigneten Platz abseits der Straße. Schnell war klar, dass wir draußen nicht essen können, zu viele kleine Plagegeister. Bei der Weberei hatten wir Grillwurst gekauft, der Hof vermarktet neben Woll- auch Fleischprodukte, die draußen gegrillt und drinnen gegessen wurde. Kaum war man im Freien, juckte es einen schon überall, also schnell wieder rein. Diese Mückenplage haben wir bisher nur hier auf der Insel Mull erlebt.

Gefahrene Kilometer: 96 km

Schafe
Schäfchen am Wegesrand mit seiner Mama