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Holta-Schlucht Albanien

Spektakulärer Canyon am Devoll Stausee

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Albanien -Vierundzwanzigster Tag, Freitag, 15.05.2026

Über einsame Bergstraßen

In der Nacht schüttete es heftigst, der Regen trommelte auf das Wohnmobildach, doch plötzlich, als drehe man einen Hahn zu, hörte es auf. Nicht langsam, sondern schlagartig. So zeigte sich morgens denn auch die Sonne wieder und verhieß uns einen schönen Tag.

Die beiden neben uns geparkten Lastwagen fuhren früh davon, einer eine rechte Schrottkarre, von der ich gestern Abend noch glaubte, sie sei hier auf Dauer abgestellt.

Nach dem Frühstück parkte ein PKW neben uns und Beate ging mit unserer Landkarte zum Fahrer, um ihn zu fragen, ob man von Gjinas die Straße weiterfahren könne oder den gleichen Weg, den wir gekommen sind, zurückfahren müsse. Hilfsbereit gab der Mann Auskunft, ohne 4×4 wäre es nicht möglich, weit über Gjinas hinaus zu kommen.

Also fuhren wir die Straße bis kurz vor Elbasan zurück und bogen dann ein auf eine kurvenreiche Straße durch die Berge zu unserem heutigen ersten Ziel.

Weiter durch die Berge zum Devoll – Stausee

Die Straße schlängelte sich durch einsame Berggegend immer weiter hinauf. Der zunächst gute Asphaltbelag wurde immer schlechter und man musste aufpassen, in nicht allzu große Schlaglöcher zu geraten. 

Andere Autos kamen uns nicht entgegen, wir fuhren hier allein. Hin und wieder ein Ziegenhirte mit seiner Herde am Straßenrand oder mal ein ungläubig blickender Mann bei der Durchfahrt durch eine der wenigen Siedlungen unterwegs.

Irgendwann hatten wir den Scheitelpunkt der Straße erreicht, es ging wieder abwärts. Unter uns sahen wir den Devoll – Stausee und linker Hand die hoch aufragenden Berge, in denen sich der anvisierte Canyon befinden muss. Die Straße zweigte nach links ab und entlang des aufgestauten Hillit – Flusses ging es näher an die Berge heran.

Ein Wegweiser wies auf den Canyon in einem Kilometer Entfernung hin und da die Straße nun zum Schotterweg wurde, parkten wir den Wagen und machten uns wanderfertig.

Gummischuhe und Badesachen wurden eingepackt, dann ging es den restlichen Kilometer bis zum Beginn des Canyons.

Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht

Schon am Beginn der engen Schlucht sahen wir, dass die Füße nass werden würden, also Wanderschuhe aus und Gummischuhe angezogen. Auch die Hosen mussten verkürzt und hochgekrempelt werden, es ging durch tiefes Wasser fast bis zu den Oberschenkeln. Doch zum Glück war es kein eiskaltes Gebirgsbachwasser sondern mit erträglicher Temperatur. Naja, denke 15 Grad kalt war es schon.

Eine Gruppe Leute kam uns entgegen, ausgerüstet mit Helmen und teilweise leichter Badekleidung. Ich fragte eine junge Frau, wie tief es denn werden würde und sie deutete mir bis zum Hals.

Wir gingen weiter, die Schlucht wurde enger, immer spektakulärer. Wir erinnerten uns an die Soganlischlucht in der Türkei und die Gola Gorropu in Sardinien, beides spektakuläre Schluchten, nur ohne Wasser. Jetzt rauschte hier ein Gebirgsbach durch. Das Wasser nach Schwefel riechend, türkisblau und meistens nur knöcheltief.

Dann eine Engstelle, an der man nicht seitlich dem Bach ausweichen konnte sondern durch musste. Und tief sah es aus. Also Hemd aus, Rucksack abgenommen und über den Kopf gehalten. Tatsächlich ging es nun tiefer und tiefer ins Wasser hinein, fast bis zum Hals stand es mir, da wird Beate schwimmen müssen, um durch zu kommen.

Am anderen Ende der tiefen Stelle angekommen legte ich den Rucksack ab und ging durch’s Wasser zurück zur wartenden Beate, um ihren Rucksack in gleicher Weise über Kopf durch das Wasser zu tragen. Dann konnte sie folgen, nur noch der Kopf schaute heraus und die Arme, die sie nicht auch noch kaltmachen wollte.

Es ging tiefer und tiefer in den Canyon hinein, hinter jeder Biegung spektakulärere Sichten auf die nach oben immer enger werdende Schlucht. Da keine Sonne mehr hineinfiel wurde es auch kälter.

Noch einmal war ein recht tiefes Becken zu durchqueren, dann sah man schon wieder etwas Sonnenlicht.

An einer weitere sehr tief aussehenden Stelle des Baches drehten wir um, es wurde mächtig kalt und wir mussten ja auch noch alles wieder zurück, alle tiefen und weniger tiefen Stellen ein weiteres Mal durchqueren. 

In mir stieg die Kälte auf, ich begann recht heftig zu schlottern. Wir wussten allerdings, dass ziemlich am Beginn des Canyons eine Stelle des Flusses ist, wo sich wärmeres, aus dem Berg kommendes Wasser befindet. Darin können wir uns dann aufwärmen.

Kalt und zitternd erreichten wir im Sonnenschein wieder den Beginn der Schlucht und das Warmwasserbecken, wobei das Wasser eher nur lauwarm war, aber es tat doch sehr gut nach dieser doch recht kalten Tour.

Nun noch durch die letze tiefe Stelle, dann konnten wir uns wieder abtrocknen, umziehen und im Restaurant einen Kaffee genießen und ein Eis. Die Sonne wärmte hier so schön, wir hätten noch lange bleiben mögen.

Richtung Stadt der 1000 Fenster

Wir entschieden uns, als nächstes Ziel die Stadt Berat anzufahren, bekannt auch als „Stadt der 1000 Fenster“. Bis hinein wollten wir nicht, irgendwo vorher könnten wir einen Stellplatz suchen.

Es ging durch ein Gebiert, in dem es stark nach Öl roch und auch überall alte Ölpumpen zu sehen waren, hier wurde wohl mal Erdöl gefördert. Bleiben hätten wir hier nicht wollen, Beate klagte schon über leichte Kopfschmerzen ob des Ölgestanks.

Abseits von Berat bei einem Friedhof fanden wir dann einen geeigneten Übernachtungsplatz, hier standen auch schon zwei weitere Wohnmobile.

Etwas saßen wir noch draußen, dann wurde es zu kalt und wir zogen uns zum Abendessen ins Fahrzeug zurück.

Touren – Informationen

Gefahrene Kilometer: 144,3 km

Google – Landkarte: Über die Berge zur Schlucht nach Berat

Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 40.712 856
Längengrad: 19.919 895

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