Albanien -Zweiundzwanzigster Tag, Mittwoch, 13.05.2026
Der lange Weg durch die Stadt
Im Internet hatten wir gelesen, dass Tirana nicht sehr viel Sehenswertes zu bieten hat. Die Stadt wurde in der 40 Jahre dauernden kommunistischen Diktatur fast aller historischen Gebäude beraubt und Kirchen zerstört, da der paranoide Diktator dem Land einen strikten Atheismus verordnet hat.
Albanien ist hier ein Musterbeispiel, was linke, kommunistische Ideologie anrichtet. Warum bei uns in Deutschland die Linken so hofiert und nicht verboten werden, bleibt mir ein Rätsel.
Hinzu kommen noch Schäden durch immer wiederkehrende Erdbeben, das letzte großen Beben ereignete sich 2019, die auch immer wieder Häuser zerstören, vor allem kleinere, alte Häuser, deren Ruinen immer mal wieder im Stadtbild zu sehen sind.
Einige wenige sehenswerte Gebäude und Einrichtungen hatte ich dennoch aus dem Netz gefiltert und dahin waren wir nun auf dem Weg.
Tirana ist wie andere große Städte recht quirlig mit viel Verkehr und massenweise Menschen auf den Straßen.
Auch hier gilt wie bereits berichtet, dass das Erscheinungsbild vor allem der jungen Leute sich in keiner Weise von denen in anderen Städten unterscheidet. Lediglich ältere Männer sind noch wie auf dem Balkan üblich gekleidet, meist mit dunkler Anzugsjacke und Hose.
Marktgeschehen
Unser erster Weg führte zum großen Gemüse- und Trödelmarkt. Bereits die Straße dorthin war rechts und links mit Waren aus den anliegenden Geschäften vollgestopft, hier stand alles draußen, was man sich denken konnte. Schränke, Möbel, Matratzen, aber auch Haushaltgegenstände, Kleidung, Stoffe u.s.w. Alles, was man bei uns nicht mehr in den Läden findet und im Internet bestellen muss ist hier auf den Straßen Tiranas in den Geschäften zu kaufen.
Der Markt in der großen Markthalle bietet alles zum Leben, Gemüse, Oliven, Fleisch, Obst und vieles mehr. Schade, dass wir nichts brauchten oder nichts kaufen konnten, da wir es ja den ganzen Tag mit uns herumtragen müssten. Lediglich ein paar Oliven erstanden wir, ansonsten mussten wir alle Herrlichkeiten dort lassen.
Mehrfach durchstreiften wir die Halle, dann ging es zurück in den rauschenden und hupenden Verkehr. Entlang einer breiten Straße kamen wir zum nächsten Ziel, dem Kulturhaus, jetzt zum Teil Oper, zum Teil Cafés und Restaurants.
Unterwegs zahlreiche Neubauten, hoch in den Himmel aufragend und mit interessanter, nicht alltäglicher Architektur. Dazwischen natürlich viele dieser hässlichen, sofort erkennbaren sozialistischen Einheitshochhäuser.
Kaffee im Café
In Tirana Kaffe zu trinken ist ein absolutes Muss, die Stadt gilt wie auch Jerewan in Armenien als Hochburg der Kaffeetrinker. So findet man tatsächlich bald an jeder Ecke ein kleines oder größeres Café.
Auch im ehemaligen Kulturhaus waren gleich mehrere zu finden und so suchten wir einen feien Platz und genossen zwei gute Cappuchino.
Das Kulturhaus ist am Skanderbeg-Platz angesiedelt, direkt in Sichtweite der weiteren, wenigen Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Gegenüber konnte man auf das riesige, im sozialistischen Stil gehaltene Mosaik an der Fassade des Nationalmuseums blicken, auf dem in heldenhafter Pose Personen der albanischen Geschichte zu sehen sind, waffenschwingend und kämpferisch.

Der Weg zum Raki
Gleich nebenan noch der alte, historische Uhrturm von Tirana, sehr schlecht zu fotografieren, da eingekreist von zahlreichen Hochhausneubauten. Die Et’em Bey Moschee wurde ebenfalls unter kommunistischer Herrschaft zerstört, dann aber mit Hilfe der Türken bis 2021 wieder aufgebaut und restauriert.
Auf dem großen Skanderbeg – Platz auch auf einem steinernen Sockel das Reiterstandbild des Nationalhelden Skanderbeg, dem man überall in Albanien begegnet. Hier stand bis zum 20. Februar 1991 eine riesige, vergoldete Statue des Diktators Hoxha, bis sie von Studenten gestürzt und das endgültige Ende der kommunistischen Diktatur besiegelt wurde.
Das google Navi führte uns nun eher schlecht vorbei an der großen, neu erbauten christlich-orthodoxen Wiederauferstehungskirche zur Pyramide.
Dieses Bauwerk sollte ursprünglich ein Museum für Hoxha werden, in dem ihm und seinem Leben gehuldigt werden sollte und damit dem ungeheuren Personenkult noch mehr Auftrieb geben, doch 1991 erfolgte eine Umwidmung und Diskussion um die weitere Verwendung. Heute beherbergt es ein Lernzentrum.
Über recht steile Treppen gelangt man auf das Dach der Pyramide und hat von hier einen guten Ausblick über die Stadt.
Nun hieß es, das Nationalgetränk der Albaner zu genießen, den Raki. In einem kleinen, als Museum der kommunistischen Vergangenheit gestalteten Café wird neben Bier und anderen Getränken auch Raki in den verschiedensten Geschmacksrichtungen ausgeschenkt.
Das „Komiteti Museum und Kafe“ ist eine Institution in Tirana und man muss einmal dort gewesen sein und Raki getrunken haben.
Eine Weile hielten wir uns hier auf, machen Pläne für den Rest des Tages und gingen dann den weiten Weg durch die Altstadtstraßen der Stadt zurück. Unterwegs kauften wir noch Wurstwaren für unser Frühstück und zwei Blätterteigtaschen, gefüllt mit Spinat und Wurst, den sog. Byrek, eine typische albanische Backware, die es aber als Burek oder Börek auch in anderen Ländern des Balkans gibt.
Nachmittag und Abend am Wohnmobil
Inzwischen hatte sich der Himmel vollständig bezogen, es war kalt geworden, dennoch saßen wir noch ein wenig draußen auf unserem Stellplatz.
Nachdem er sich am Morgen stark geleert hatte, war er jetzt am späten Nachmittag wieder gut gefüllt, vor allem mit Wohnmobilen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Beate erledigte die Computerarbeit, ich plante die Weiterreise. Mehr als eineinhalb Tage bleiben wir nie auf unseren Reisen in den Hauptstädten der Länder.
Am Abend setzte Regen ein und wir verbrachten die restliche Zeit in unseren fahrende Zuhause.

























