Besuch beim Riesen und viel Bier in Derry

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Einunddreißigster Tag, Samstag, 11.06.2022

Der Sturm hier direkt am Meer schüttelte das Fahrzeug so kräftig durch, dass ich manchmal Angst hatte, würde er noch stärker, unser Wohnmobil läge auf der Seite. Nun, soweit ist es nicht gekommen, und als wir losfuhren, zeigten sich erste blaue Flecken am Himmel. Zunächst ging es zur Carrick-A-Rede – Hängebrücke, von der wir nicht wussten, was uns erwarten würde.

Zunächst mal wurde uns die Zufahrt zum dortigen Parkplatz durch eine Höhenbegrenzung verwehrt. Die sind hier öfter vor Parkplätzen angebracht, damit keine Fahrzeuge über zwei oder zwei Meter zwanzig drauf kommnen. Ich las allerdings, dass es sich nicht unbedingt gegen Wohnmobilfahrer richtet, sondern in erster Linie fahrendes Volk fernhalten soll, die sog. Tinker und Traveller, eine besondere irische Volksgruppe, vergleichbar mit den aus Rumänien stammenden Zigeunern. Also weiter in den nächsten Ort, von wo aus ein kurzer Fußweg zum Parkplatz führte. Angesichts der Preise an der Einfahrt die für uns beste Lösung, hier wollte man fünf Pfund Parkgebühr und nochmal jeweils 13 Pfund pro Person für das Überschreiten der Brücke. Nee, danke, egal wie sie ist, soviel Geld kann es gar nicht wert sein.

Der Weg zur Brücke war stark frequentiert, heute ist ja Samstag und die Wochenendausflügler sind wieder unterwegs. Zwischendrin wieder ein Schauer, aber das kennt man ja. Direkt vor der Brücke dann Kartenkontrolle und als wir sahen, für was man da 13 Pfund bezahlen sollte, konnten wir beide nur den Kopf schütteln. Eine kleine Hängebrücke, vielleicht 20 Meter lang und 30 Meter über dem Meer, das war alles. Da kennen wir aber andere Hängebrücken aus dem Hunsrück oder über die Donau bei Inzigkofen, die bedeutend länger und im Falle Hunsrück auch über ein tieferes Tal führen und kostenlos sind. Hier wird tatsächlich nach dem Motto verfahren, je mehr wir die Besucher melken, umso mehr haben wir.

Carrick-A-Rede – Hängebrücke
Carrick-A-Rede – Hängebrücke

Der nächste Besichtigungspunkt lag etwas landeinwärts, die „Dark Hedges“. Haben wir Bilder gesehen, mussten wir hin. Eigentlich nur eine alte Buchenallee, allerdings haben die Bäume sehr viele große Äste und formen damit ein etwas mystisch aussehendes Blätterdach über der Straße. Dies nahm auch der Regisseur der Netflix-Serie „Game of Thrones“ (haben wir noch nie gesehen) zum Anlass, hier eine Szene zu drehen. Und genau dieser Umstand hat wohl dazu geführt, dass nun viele Bresucher hierher kommen und die Allee rauf und runter gehen und einen Haufen Fotos und Videos machen. Allerdings scheint der erwartete Ansturm nicht erfolgt zu sein, ein angrenzendes Drei – Sterne – Hotel steht aufgegeben da und auch Souvenirladen und Getränkekiosk sind verwaist. Nur Gras wächst aus den Fügen im Bereich vor dem Hotel und Müll fliegt herum. So kann´s gehen.

Dark Hedges
Dark Hedges

Nun wieder zurück zur Küste, der „Giant`s Causeway“ stand auf dem Programm, der Fußweg des Riesen. Hier wieder die nächste Frustrationsstufe, der Parkplatz am riesigen Besucherzentrum nur gegen 13,50 Pfund befahrbar oder als Mitglied des National Trust kostenfrei. Das Erste wollten wir nicht hinlegen, das Zweite waren wir nicht. Also woanders suchen. Überall ringsum Parkverbot oder nichts mehr frei. Ein Parkplatz in der Nähe bei der Museumseisenbahn hatte noch Platz, gut, opfern wir halt neun Pfund, aber hier wollte man uns nicht, keine Wohnmobile. Warum? Unverständlich. Also den Besuchspunkt abhaken. Doch Beate suchte noch in Park4Night, wo nicht nur Übernachtungsplätze enthalten sind, und fand in der nahen Ortschaft Bushmills eine Möglichkeit. Von da wären es zu Fuß auch nur 35 Minuten bis zum Giant´s Causeway. Gesagt, getan, und da der Himmel blau war und die Sonne schien machten wir uns auf den Weg durch die Dünen entlang der wilden Meeresküste.

Giant`s Causeway

Der Giant`s Causeway ist ein Bereich an der Küste, wo ähnlich wie auf der Insel Staffa Unmengen von schönen fünnf- oder sechseckigen Basaltsäulen stehen, so als hätte ein Riese hier einen Fußweg gepflastert. Natürlich auch hier Unmengen von Besuchern, aber wenigsten kostet der Besuch dieses Naturwunders keinen Eintritt. Eine Weile stiefelten wir auf dem Areal herum, kletterten die Säulenberge hoch und wieder runter und richteten uns dann zum Rückweg. Unser heutiges Endziel sollte nämlich die Stadt Derry, oder auch Londonderrry sein, wo wir mal wieder schöne Pubs aufsuchen wollten. Derry ist als Ort massiver gewalttätiger Auseinandersetzung während der Nordirlandkrise häufig in den Nachrichten gewesen.

Giant`s Causeway
Giant`s Causeway
Giant`s Causeway
Giant`s Causeway
Giant`s Causeway
Friedensbrücke in Londenderry

Wir fanden einen guten Übernachtungsplatz am Ende einer Sackgasse, von wo aus es nicht weit war in die Stadt. Die Friedensbrücke über den Fluß Foyle musste überquert werden, dann waren wir schon fast im Zentrum.

Nur wenige Straßen weiter begann die Pubmeile, eine Bar neben der anderen, heute am Samstag mit Live – Musik. Also hinein ins Getümmel und das irische Publeben genossen. Spätestens hier stellte sich uns die Frage: Corona, was war das noch mal?

Beate bedauerte, nicht englisch sprechen zu können, denn sie wurde öfter von jungen Männern angesprochen, leider konnte sich hieraus nichts entwickeln. Aber auch für mich, wo ich mich zumindest in englisch verständlich machen kann, ist eine Unterhaltung schwer, nicht nur wegen der Lautstärke im Lokal. Die Iren sprechen halt einen Dialekt oder Slang oder sonstwie anders als der Oxford – Engländer und das ist so, wie wenn ein Ausländer deutsch gelernt hat und dann nach Schwaben oder Niederbayern kommt. Nix verstehen

Irisches Pub

Nach dem vierten Pub und dem entsprechenden Bierkonsum schwankten wir dann über die Friedensbrücke wieder ins heimische Wohnmobil.

Gefahrene Kilometer: 118 km

Irisches Bier
Prost

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Hubert Löffler

    Hallo Ihr zwei,
    jetzt muß ich auch mal melden, bevor Ihr wieder zuhause seid. Eure Fotos sind sehr beeindruckend, besonders haben die Basaltsäülen und die Allee. Die tollen Fotos stecken einen an, auch mal dorthin zu fahren. Ich habe Eure Berichte gerne gelesen, sie waren sehr interessant. Ich hoffe, daß Ihr mal einen Bildervortrag macht, wenn Ihr wieder zurück seid. Ihr zwei seid ein tolles Team, das informative Berichte und viele interessante Fotos präsentiert. Ich wünsche Euch eine gute Heimfahrt ohne Zwischenfälle und freue mich auf einen persönlichen Erfajrungsaustausch.
    Liebe Grüße Hubert

  2. Martin

    Sehr schöne Baumallee, sowas habe ich noch nicht gesehen. Herrliche Fotos die Ihr in Euren Berichten plaziert habt. Per whatsapp hatte ich ja schon kommentiert, das Pub lädt ein zur Gemütlichkeit und Freude mit leckerm Bier was ja des öfteren schon positiv erwähnt wurde.
    Konnte man denn bei dem Sturm an der Küste in dem wackelten Wohnmobil übernachten ? Oder war der starke Sturm nur am Tage ?
    Schönen Urlaub und ich verfolge täglich eher per whatapp Eure Schöne und sehr spannende Urlaubsreise – gute Erholung Euch und liebe Grüße aus dem Taunus.

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