Von der zerissenen Stadt zum nördlichsten Punkt der Insel

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kommentare:Ein Kommentar

Zweiunddreißigster Tag, Sonntag, 12.06.2022

Ähnlich wie Belfast war ja auch Derry, oder wie die protestantischen Engländer gern sagen, Londonderry häufig in den negativen Schlagzeilen der 60er bis Ende 90er Jahre geraten. Hier begann mit dem „Bloody Sunday“ am 30.01.1962 ein jahrzentelanger gewalttätiger Konflikt zwischen den verfeindeten irischen Republikanern und den britischen Loyalisten. Noch heute merkt man, obwohl seit 1998 ein Friedensabkommen gilt, den Hass der Iren auf die britischen Besatzer. Spätestens, wenn man außerhalb der alten Stadtmauer auf der sog. Bogside ist, dort wo die Iren wohnen.

Stadtmauer von Derry
Stadtor von Derry

Wir besuchten die Gedenkstätte des „Bloody Sunday“ und weitere Erinnerungsstellen an im Hungerstreik gestorbene irische Kämpfer oder von den Briten verhaftete Zivilisten. Es bedarf sicher nur eines belanglosen Anlasses, um die „Troubles“, wie der Konflikt im Englischen genannt wird, wieder aufflammen zu lassen. Ein für mich sehr beeindruckender Besuch.

Londenderry
Londenderry
Londenderry
Londenderry
Londenderry
Londenderry
Londenderry

Dann nahmen wir wieder die Straße unter die Räder hinaus aus Derry, zunächst an der Küste entlang Richtung Osten.Kurz hinter Derry verläuft die Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland. Ich war gespannt, ob es da irgendwelche Kontrollen gibt, doch nichts war vorhanden, noch nicht mal ein Schild „Repubilc of Ireland“, man wusste also gar nicht genau, wann man nun im anderen Land ist. Lediglich durch nunmehr in Kilometern angegebene Geschwindigkeitshinweise und Entfernungsangaben konnten man sich denken, jetzt Nordirland verlassen zu haben. Die Tankstellen zeigten Europreise, immer aber noch die Preise in Pfund daneben. Diesel ist hier jetzt wieder billiger als Normalbenzin, aber dennoch jenseits der zwei-Euro-Marke.

Zunächst steuerten wir ein Ziel aus dem Reiseführer an, von dem es hieß, dort gäbe es an einem Sportlerheim einen Außenwasserhahn, und Wasser musste aufgefüllt werden. Dort angekommen sah ich schon etliche Fahrzeuge parken und Kinder auf dem Fußballfeld herumlaufen. Es war das Heim irgendeines kleinen örtlichen Fußballclubs, die wohl ein sonntägliches Spiel vorbereiteten. Ich fragte eine Frau, wer denn hier verantwortlich sei und sie gab sich als diejenige zu erkennen. Natürlich können wir Wasser auffüllen, kein Problem. Unsere Toilettenkassette allerdings wollte ich denen nicht ins Klo schütten, also ging es weiter, immer den Wegweisern des „Wild Atlantic Ways“ nach zum „Malin Head“. Dies ist der nördlichste Punkt Irlands und da wollten wir hin.

Es ging über kleine, enge Straßen ohne die „Passing Places“, wie in Schottland, man musste bei Gegenverkehr irgendwie schauen, dass er passieren konnte. Die Straßen waren schlecht, rumplig, holprig, voller Löcher und Rillen. Wir haben seit letztem Jahr nun schon einige Länder bereist, sei es in Osteuropa oder jetzt in Westeuropa, nirgendwo haben wir durchgehend solche guten Straßen gefunden, wie in Deutschland. Sicher mag es mal eine schlechte Ortsdurchfahrt geben, aber unsere Kreis-, Land- und Bundesstraßen sind super. Auch sind wir über derart wellige Straßen gefahren, dass bei höherer Geschwindigkeit sich das Fahrzeug mit Sicherheit vom Boden gelöst hätte, bei uns undenkbar.

So erreichten wir denn Malin Head, viele Besucher waren hier an diesem Sonntag. Steile Felsklippen bilden den Abschluss Irlands, an denen sich die Wellen rauschend brechen. Ein großer, aus Steinen gelegter und weiß angemalter Schriftzug „EIRE“ auf der äußersten Spitze zeugt noch heute von der Neutralität Irlands im Zeiten Weltkrieg, hiermit wollte man feindlichen Flugzeugen signalisieren, hier nicht ihre Bomben abzuwerfen.

Der Wind toble hier derart stark, dass man es schwerr hatte, sich gerade auf den Beinen zu halten.

Eine größere Gruppe mit alten Traktoren kam die Anhöhe hinauf zum Endpunkt der Straße, natürlich sofort umringt von den vielen Besuchern hier oben. Zwei Traktorfahrter aus der Gruppe waren am 09.06. vom Mizen Head, dem südlichsten Punkt der Insel gestartet, um sie in vier Tagen von Süd nach Nord zu durchqueren. Und das mit Oldtimern ohne geschlossene Kabine bei diesem sehr wechselhaften Wetter bei Tagesleistungen von über 100 Meilen. Respekt.

Malin Head
Malin Head
Malin Head

Zum Glück für uns gab es hier oben eine moderne Toilettenanlage, also schnell einen Moment gesucht, wo niemand drin ist, Toilettenkassette geleert und fertig. Als Wohnmobilfahrer und Freisteher, also nicht jeden abend auf dem Campingplatz, muss man immer die Augen aufhaltem, um die Ent- und Versorgungsfrage zu klären.

Nun lösten wir uns von den Routenvorgaben des Reiseführers und fuhren über diesmal gute, breite Straßen gen Osten, unserem möglichen Übernachtungsplatz entgegen. Unterwegs noch etwas eingekauft, Preise jetzt wieder in gewohnten Euros, aber nicht höher als bei uns, außer alkoholische Getränke.

Der heutige Übernachtungsplatz lag an einem See am Ende einer Zufahrtsstraße, recht idyllisch und ruhig gelegen, wäre da nicht ein irischer Wohnmobilfahrer gekommen, der zur Stromversorgung sein Aggregat ausgepackt hatte und es bis nach 23:00 Uhr brummen ließ.

Wetter heute: Schauer mit sonnigen Abschnitten.

Gefahrene Kilometer: 150 km

nicht
Irland
Die unterschiedlichsten Grünetöne auf der Insel

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ruth

    Tolles, blaues Meer 😊

Schreibe einen Kommentar