Endlich Highlands – mit Ernüchterung

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Zwölfter Tag, Montag, 23.05.2022

Wer an Schottland denkt, denkt an die Highlands, die unbewaldeten, sanften Hügel und die Menschenleere, nur blökende weiße Schafe. Bislang hatten wir das auf unserer Tour alles zusammen noch nicht erlebt, heute könnte es etwas werden.

Die Nacht war ruhig, kein Regen, am morgen dann herrliches Vogelgezwitscher in jedweder Lautstärke und Melodie. Hört man so bei uns nur noch selten. Der Himmel war aufgelockert, es schien ein schöner Tag zu werden. Doch sich in Schottland mit dem Wetter zu befassen oder gar eine Wettervorhersage anzuschauen ist müßig, es ist so, wie es ist und wird so, wie es wird.

Zunächst gingen wir also bei Sonnenschein hinaus und etwas durch den Landschaftspark der Falkland Estates, überall kleine Steinbrückchen und Durchgänge und auch eine stockfinstere, künstliche Höhle, in einer Kurve gebaut, sodass man nicht den Ausgang sehen konnte. So etwas hat man gern im Zeitalter der Romantik errichtet, auch in unserer alten Heimat bei Rüdesheim gibt es so etwas.

Falkland Estates
Falkland Estates

Wir gelangten zu einem kleinen Wasserfall, den man auch von hinten betrachten konnten und wanderten dann auf schönen Wegen durch den Wald zurück.

Falkland Estates
Ha, ha, Stefan kann Haare waschen
Glamis Castle
Glamis Castle

Gegen halb zwölf dann war Abfahrt, die nächsten Ziele waren die Stadt Perth, wo wir aber nicht hielten, hin zum Glamis Castle. Ich war vor 45 Jahren schon einmal in Schottland, damals allein mit meinem alten Dreigang – R 4 und hatte auch das Glamis Castle besucht.

Auf unserer Fahrt dorthin wurde es in der Ferne dunkel und man sah den Regen herunter kommen. Bald schon hatte er uns erreicht. Zum Schloss fuhren wir bei Regen, am Parkplatz dann die erste Ernüchterung: Parkgebühr und Schloss von außen angucken – sieben Pfund fünfzig pro Person, Schloss zusätzlich innen angucken – 12 Pfund pro Nase. Nein danke, Schlösser von innen müssen wir nicht mehr besichtigen und überhaupt sind fünfzen Pfund, fast zwanzig Euro schon recht happig.

Also wieder aus dem Park herausgefahren. Direkt am Ausgang dann eine kleine Kapelle und daneben ein Wasserhahn. Wunderbar, denn wir mussten wieder ver- und entsorgen. Hierbei ist Wasser aufzufüllen, Abwasser abzulassen und die Toilettenkassette zu entleeren. Ich habe immer für alle Arten von Wasserhähnen Anschlüsse dabei, sodass schnell der passende aufgeschraubt worden ist, der Schlauch angeschlossen und der Tank gefüllt. Zufällig standen wir auch genau neben einem Gulli, also das Fahrzeug kurz umgeparkt und das Abwasser in den Gulli entleert. Nun noch die Toilettenkassette. Kurz nach der Abfahrt ein Hinweisschild auf öffentliche Toiletten. Also nichts wie hin, den Inhalt der Kassette ins Klo geleert und schon waren wir wieder versorgt für die nächsten drei bis vier Tage.

Nächtes Ziel Balmoral, der Sommersitz der Queen. Über kleine und kleinste Straßen, sog. Single track roads, ging es nordwärts. Die Straßen oft so schlecht, dass wir uns an unsere Balkanreise in Moldau, Rumänien oder Serbien erinnert fühlten. Also nicht nur im Osten ist das Geld für den Straßenbau knapp, auch im Westen und in einem bis vor kurzem noch EU – Staat.

Hochland Schottland

Es ging hinein in den Glen Shee mit grandiosen Ausblicken auf die karge Bergwelt. So müssen die Highlands sein. Immer wieder hielten wir für Fotostopps an, die Sonne beleuchtete die Berge aber gleichzeitig regnete es weiter hinten. Schottisches Wetter halt, man macht sich keine Gedanken mehr. Die Landschaft wurde immer schöner und ich kann verstehen, warum die königliche Familie in dieser Gegend ihre Sommerresidenz aufgeschlagen hat.

Bald war Balmoral Castle erreicht und die zweite Ernüchterung. Fünf Pfund Parkgebühr waren zu entrichten, wir hätten es bleiben lassen sollen, denn die Uhr zeigte schon zwanzig vor fünf und das Schloss schließt um 17:00 Uhr. Dennoch, vielleicht ist ja ein Blick über den Zaun zu erhaschen. Aber denkste, alles so weiträumig abgesperrt und mit Kameras überwacht, dass man nichts sehen konnte. Zudem hätte der Eintritt nur in den Park 10 Pfund pro Person gekostet. Ja, man nimmt hier immer gerne.

Frustriert also kehrten wir zum Wohnmobil zurück, fünf Pfund Parkgebühr geschmeidig in den Sand gesetzt.

Noch zu erledigen waren einige Einkäufe, der nächste noch geöffnete Laden , viele Geschäfte und Cafes schließen hier schon um siebzehn Uhr, war im nahen Ballater zu finden. Hier gab es einen kostenlosen Parkplatz im Stadtzentrum, auf dem auch schon ein Wohnmobil stand. Und wo eins ist, gesellt sich gern ein zweites hinzu. Wir waren heute eigentlich schon genug gefahren, hatten viel gesehen und beschlossen so, auf diesem Platz über Nacht zu bleiben.

Die Einkäufe waren schnell erledigt, dann gab es leckeres Abendessen.

Zum Abschluss des Tagers kehrten wir noch für ein leckeres Guiness in die Kneipe um die Ecke ein.

Fazit des heutigen Tages: Schlösser müssen wir nicht mehr anfahren, die Parkgebühren und Eintrittspreise sind einfach unverschämt. Und es ist ja nicht so, dass der Brite oder Schotte ähnlich wie der Schweizer soviel mehr verdient wie wir, im Gegenteil. Durchschnittsverdienst in Großbritannien liegt bei 2700,- €, in Deutschland bei ca. 4000,- €..

Gefahrene Kilometer: 217 km

Landkarte

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