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Aquarium Bay Albanien

Tief im Süden Albaniens

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Albanien -Achtundzwanzigster Tag, Dienstag, 19.05.2026

Über den Llagora - Pass

Nicht weit von unseren Stellplatz entfernt ging es durch den Ort Radhime auf eine neu gebaute Straße, die an der Küste entlang nach Süden verlief. Diese Straße war auf unserer Karte noch nicht vermerkt, auch unser Navi im Fahrzeug und auch Google Map hatte sie nicht „auf dem Schirm“. 

So nahmen wir zunächst den falschen Weg durch den Ort, der nur zu einer Sackgasse führte, doch Dank einer freundlichen Bewohnerin, die gerade im Garten arbeitete, bekamen wir die korrekte Richtung angezeigt.

Wir näherten uns dem Llagora-Tunnel, der neu anstelle der alten Passstraße gebaut wurde. Wir aber wollten lieber die Straße über die Berge fahren und so mussten wir zunächst etwas suchen, wo denn der Abzweig von der neuen zur alten Straße zu finden sei.

Doch dann ging es hinauf, zunächst in nur wenigen Kurven, die Anfahrt von Norden war nicht sehr steil. Bald schon hatten wir fast unbemerkt die Passhöhe erreicht und es ging wieder hinunter. 

An einem Aussichtspunkt hielten wir und konnten von hier tief unter uns auf die Adria blicken und die entfernt liegende griechische Insel Korfu. Leider zogen weiße Wolken unter uns vorbei und stiegen auf, sodass die Sicht nicht ungehindert war.

Von hier aus konnte man aber schon gut den weiteren Straßenverlauf sehen, eine Vielzahl von Kehren führte recht steil hinunter. 

Unten an der Küste sah man eine riesige Bautätigkeit, hier werden hunderte von neuen Appartementhäusern und andere Ferienquartiere gebaut für die erwarteten Sommertouristen. 

Deshalb also auch der Neubau der Straße und der Tunnel, damit die Massen von Touristen schnell und bequem in ihre Quartiere fahren können.

Brutaler Bauboom an der „Green Coast“

Je weiter wir den Pass hinunter fuhren umso deutlicher sahen wir, was da gebaut wird. Eine riesige Fläche ist bereits umgewühlt, Straßen sind gebaut und schon jede Menge Häuser errichtet worden. 

Hier werden nicht Appartements in Hochhäusern aufeinandergestapelt, hier werden Hochhäuser flach gelegt. Man wird sich später hier vorkommen wie Hühner in der Käfighaltung, einer neben dem anderen, wie kann man sich da wohlfühlen?

Diese ganze zubetonierte und zuasphaltierte Gegend nennt man dann noch „Green Coast“, grüne Küste, für uns ein zynischer Anachronismus.

Wir steuerten eine schöne Bucht an der Felsenküste an, immer vorbei an aufeinander getürmten neuen Betonbauten, die dicht an den Berghang geklebt wurden. Der Weg von hier zum Strand oder in so eine kleine Badebucht wird lang sein. Wir bezweifeln, dass das Konzept und die Vorstellungen der Investoren sich erfüllen werden.

Aquarium Bay

In einem Reisebericht hatten wir von der „Aquarium Bay“ gehört, mit eine der schönsten Badebuchten hier unten im Süden. Wir stellten den Wagen ab, als der Weg zu uneben und steinig wurde und gingen zu Fuß dorthin.

Am kleinen Strand der Bucht lagerten schon viele Leute, aber alles junge, niemand im höheren Alter war hier zu sehen. Wir gingen hinunter und Beate zögerte zu baden, das Wasser hatte noch keine angenehme Temperatur. Auch die anderen Leute blieben alle nicht lange im Wasser, lagen lieber am Strand in der Sonne.

Für uns gibt es zudem das Problem, dass wir uns nach dem Bad im Meer im Wohnmobil abduschen müssten, was recht viel Wasser kostet und wir so lieber darauf verzichten.

Oberhalb der Bucht in einer einfachen Strandbar tranken wir noch etwas, genossen die Aussicht und machten uns dann auf den Rückweg. Auch hier am Weg überall Müll, da wird sich was ändern müssen, wenn man denn die vielen Gäste hier an der „Green Coast“ haben will. Wer möchte schön ständig auf großen Müllberge stoßen?

Es geht weiter nach Süden

Wir folgten nun der jetzt nicht mehr neu ausgebauten Küstenstraße nach Süden Richtung Sarande. Es ging durch kleinere Ortschaften immer am Berghang entlang, rechts der Blick auf’s Meer. Mal führte die Straße bergauf, dann ging es wieder hinunter und etliche Kilometer vor Sarande entfernten wir uns vom Meer.

Wir hielten immer wieder Ausschau nach einem Autowaschplatz, da unser durch die Strandfahrt am Samstag wieder total verdreckter Wagen eine Wäsche brauchte. Am Ortsbeginn von Sarande fanden wir dann einen „Lavazho“ und ließen das Wohnmobil vom Schmutz befreien.

Dann ging es weiter, Sarande wurde durchfahren, ein typischer Touristenort mit vielen Bars, Cafés und Restaurants. Es wurde nun Zeit, wieder einen Platz für die Nacht zu suchen, doch da wir uns hier in einem Nationalpark befanden, war das gar nicht so einfach. 

Der erste große Parkplatz, den wir anfuhren, gefiel uns nicht, viel zu windig und zwischen großen Bussen, da gibt es sicher noch etwas anderes.

Beate recherchierte und fand 10 Kilometer weiter einen vielleicht besseren Platz.

Dazu mussten wir allerdings erstmal mit einer alten Seilzugfähre über den Kanal von Butrint fahren.

Den archäologischen Park von Butrint gleich bei der Fähre ließen wir aus, auch hier gibt es nur alte griechische Ruinen wie in Apollonia zu sehen, und das interessiert uns nicht sehr.

So fuhren wir mit dem Wagen auf die klapprige Pontonfähre, zahlten 14 Euro und waren zwei Minuten später schon am anderen Ufer.

Stellplatz am See und Schaschlik

Noch etwa acht Kilometer ging es bis zum anvisierten Nächtigungsplatz am Mursi – See. Hier konnten wir seitlich einer Schotterstraße mit Blick auf den See und die Ortschaft Mursi ruhig stehen. Allerdings konnten wir hier wieder nicht unsere gestern gekauften Steaks grillen.

So marschierten wir noch etwas im Abendsonnenschein in den Ort Mursi und Beate hoffte, dort vielleicht ein Restaurant zu finden. Tatsächlich trafen wir auf zwei, doch das eine schien geschlossen und das andere war nur ein Café. 

Doch etwas weiter sah ich ein Schild „Fast Food Mursi“ und wir gingen hin. Tatsächlich war hier ein Grillstand zu finden und auf dem Rost lagen leckere Schaschlikspieße. Das wär es, Abendessen gerettet. Wir bestellten für jeden drei Spieße und dazu ein Bier.

An einem der Blechtische neben dem Grill nahmen wir Platz und ließen es uns schmecken.

Ein alter Mann kam daher und setzte sich auf einen Stuhl uns gegenüber. Er erinnerte uns sehr an unseren verstorbenen Nachbarn, vom Alter her war er sicher nicht weit entfernt. 

Dar Mann bestellte einen Raki und dann sah ich, wie er mit dem Grillbesitzer sprach und auf uns deutete. Der Griller ging nun zu ein paar Jungs, holte sie her und einer konnte etwas Englisch.

Ob wir denn noch ein Bier möchten, der alte Herr würde uns gern eines ausgegeben.

Da man solche freundlichen Gesten im fremden Land nicht ausschlagen solle, da es als unhöflich gilt, nahmen wir dankend an. Freundlich den Spender zuprostend tranken wir das Bier, dann ging er mit kleinen Schritten heim.

Wunderbare Gastfreundschaft, auch wenn man kein Wort miteinander sprechen kann.

Wir gingen zurück zum Wagen und beendeten bei einem lauten und penetranten Froschkonzert vom Seeufer diesen wieder wunderbaren Tag.

Touren – Informationen

Gefahrene Kilometer: 153,2 km

Google – Landkarte: Radhime bis zum Mursitsee

Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 39.711 977
Längengrad: 20.083 960

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