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Old Shatterhand am Marterpfahl

Im Land der Apachen in Kroatien

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Dritter Tag, Freitag, 24.04.2026

Auf zu Winnetou

Der Morgen startete sonnendurchflutet und nach dem Frühstück ging es gegen halb zehn Uhr los. Ich war gespannt, ob wir durch eine offene Schranke fahren können oder ob wir zahlen müssen, obwohl wir doch gar nicht auf dem Campingplatz gestanden hatten.

Der Ausgang kam in Sicht und siehe da, die Schranken waren auf. Also direkte Durchfahrt.

Nun ging es die herrliche Küstenstraße nach Süden, rechts von uns aus der blauen Adria ragend die kargen Uferregionen der Insel Krk und weiterer Inseln und Inselchen. Schnell konnte man nicht fahren obwohl wenig Verkehr war, maximal 60 bis 70 km/h waren erlaubt, oft nur 50.

Im Städtchen Senj kamen wir vorbei an der recht hübschen Festung Nehaj, die hoch oben über der Stadt thront. Ein kurzer Abstecher auf den Parkplatz war drin, einige Fotos wurden gemacht und die Festung einmal zu Fuß umrundet. Dann ging es weiter Richtung Süden, immer am Meer entlang.

Wir erreichten den Ort Stari Grad Paklenica, hier hatte sich in den 60er Jahren die Filmcrew der Karl-May-Filme einquartiert und hier gibt es auch ein kleines Winnetou Museum, doch leider nur stundenweise am Morgen und am Abend geöffnet. Wir waren zur falschen Zeit hier.

Am Rio Pecos

Nun also ging es weiter zur ersten Station unseres heutigen Besuchs im Winnetouland. Etwa 20 Kilometer waren es noch bis zur Einbiegung auf den Schotterweg zum Parkplatz „Winnetou Parking“ in der Nähe des Zrmanja Canyons. Ein kurzes Stück Fußweg und dann blickten wir in die Tiefen des Canyons und auf das blaue Wasser des Zrmanja Flusses. Diesen Anblick kannte ich noch von Früher, als 10 jähriges Kind aus den Winnetoufilmen. Nun stand ich hier, 59 Jahre später, ein unbeschreibliches Gefühl.

Wir standen auf dem Plateau, wo die Pueblos der Apachen aufgebaut waren, wo Winnetou herstammte, wo er mit Old Shatterhand Blutsbrüderschaft geschlossen hatte und wo er auf dem Fluß tief unten mit dem Kanu gefahren ist. Damals hieß der Fluß Rio Pecos.

Viele Fotos wurden gemacht aus den verschiedensten Perspektiven, dann ging es zurück zum Wagen. Unser nächstes Ziel war einer der Hauptdrehorte vieler Winnetoufilme in den Velebitbergen am Tulove Grede.

Zu Fuß zur Geierwiese

Die Fahrt dorthin führte zunächst auf einer engen Asphaltstraße recht kurvenreich immer höher den Berg hinauf. Dann plötzlich eine Halbschranke mit einem Durchfahrtsverbotsschild. Was nun tun?

Ich erspähte im Verlauf der Straße weiter oben ein paar Motorradfahrer, die also trotz Sperrschild einfach durchgefahren sind. Wir erkundeten zu Fuß den weiteren Straßenverlauf und erreichten eine Abzweigung, an der ein Schotterweg steil nach oben führte. „Hier können wir zu Fuß hoch“, meinte Beate, denn fahren trotz Sperrschild wollte sie auf keinen Fall.

Also holte ich meine Wanderschuhe und los ging es zu Fuß den Berg hinauf. Bald hatten wir die an einen römischen Tempel erinnernde Kapelle Gradina Fratarska glavica erreicht. Danach ging es auf der Fahrstraße immer weiter hinauf, ab und zu kam uns ein Auto entgegen. Wir liefen die alte Passstraße über das Velebitgebirge und anscheinend bestand keine Sperrung auf der anderen Seite der Straße.

Nach zahlreichen Kehren erreichten wir erneut eine kleine Kapelle, die Kapelica Damira Tomljanovica Gavrana, eine Gedenkstätte an die Opfer des Krieges 1992 / 1993. Hier verlief die Front und viele Soldaten kamen hier ums Leben. Das sah man auch an den vielen Gedenktafeln entlang des oberen Teils der Straße. Alles junge Männer, die im Krieg ihr Leben lassen mussten.

Am Winnetou Drehort

Schließlich hatten wir es geschafft, wir hatten den magischen Drehort vieler Filme erreicht und ich erinnerte mich an meine Kindheit, wo beim Schauen der Filme der Wunsch entstand, auch mal dorthin zu fahren, wo diese Filme spielen. Aber in den 60er Jahren war das damalige Jugoslawien für uns schwer erreichbar.

Der Gang über die grüne Wiese zwischen den Kalksteinfelsen und dem Anblick des majestätischen Tulove Grede ließen viele Erinnerungen an die Filme hochkommen. Hier in den Felsen starb Winnetou im dritten Teil, erschossen durch einen Banditen, für mich damals im Kino fast unvorstellbar, Winnetou tot, wie soll es jetzt weitergehen?

Ich suchte in YouTube die Winnetoumelodie heraus, die Filmmusik von Martin Böttcher, die jeden Karl-May-Film begleitete und spielte sie ab. Ein für mich unglaublicher Moment, der mich beinahe zu Tränen rührte. Fast 60 Jahre nachdem dieser Wunsch als Kind in mir entstand war ich nun hier, unglaublich.

Der lange Rückweg

Nun hieß es den Rückweg antreten, ein langer Weg lag vor uns, doch schon 45 Minuten später und stetigem Laufen erreichten wir die untere Kapelle, dann den steilen Schotterweg wieder hinunter und kurz vor 19:00 Uhr waren wir wieder am Wagen. Vier Stunden herrliche Wanderung in einer Traumgegend lagen hinter uns. Mit dem Auto dort hoch wäre lange nicht so schön und intensiv gewesen.

Nachtquartier am Wasser

Nun hieß es einen guten, nicht weit entfernten Übernachtungsplatz zu finden. Etwa 26 Kilometer fuhren wir noch, bogen ein in einen Schotterweg bis zu einem See, der aber tatsächlich mit dem Meer verbunden ist, und fanden dort zwischen alten Hausruinen einen wunderbar geraden und absolut ruhigen Nächtigungsplatz.

Der tolle Tag auf Winnetous Spuren konnte hier idyllisch beendet werden.

Erschöpft und müde gingen wir ins Bett.

Stellplatz am Meer
Stellplatz am Meer

Touren – Tnformationen

Gefahrene Kilometer: 226,1 km
Gewandert ca. 15 km

Google – Landkarte: Rijeka ins Winnetou – Land

Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 44.133 251
Längengrad: 15.622 039

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