Montenegro- Fünfzigster Tag, Mittwoch, 10.06.2026
Zufällig zum Biogradsko Jezero Nationalpark
Die Nacht am Bahnhof war außergewöhnlich ruhig, keinen der auch nachts verkehrenden Züge hörten wir. Erst die Müllabfuhr und die Stadtgärtner mit ihrem Rasentrimmer machten Lärm und beendeten unseren Schlaf.
Unser heutiges Ziel sollte der Norden von Montenegro sein, also die nächste größere Stadt ins Navi eingegeben und los ging es. Auf guter, breiter Straße rollten wir durch herrliche Landschaft unter der leuchtenden Sonne am hellblauen Himmel.
Nach etwa 20 Kilometern Fahrt sahen wir ein Hinweisschild auf den Biogradsko Jezero, und da ich wußte, dass der Nationalpark Biogradska Gora als eines der letzten Urwaldgebiete Europas gilt, schlug ich Beate vor, den Abstecher dorthin zu machen. Sie stimmte zu und so bogen wir rechts ab hinein in den Wald.
Irgendwann dann wieder eine Schranke und der obligatorische Eintritt für montenegrinische Nationalparks.
Kurz vor dem idyllisch im Wald liegenden See viele Reisebusse und dann im Wald zwischen den Bäumen jede Menge geparkter Autos und auch Wohnmobile.
Massen von Menschen, vor allem Kinder, hielten sich hier auf, es war eine Lautstärke wie im Schwimmbad. Wir fanden gerade noch einen Platz zwischen den Bäumen, zogen unsere Wanderschuhe an und machten uns dann auf den Weg.
Beate hatte eine schöne Wanderstrecke herausgesucht, abseits vom See hinauf in die Berge. Die allermeisten Besucher, wenn überhaupt, machten den Rundweg um den See und entsprechend viele waren da unterwegs.
Toller Wanderweg entlang der Berge
Wir wollten nicht in der Menge mitschwimmen sondern für uns allein wandern. Doch zunächst ging es auf einem nicht sehr steilen aber breiten Waldweg dahin, immer im herrlich grünen, lichtdurchfluteten Laubwald. Laubwälder sind ohnehin viel schöner als die dichten, dunklen Nadelwälder.
Es ging stetig bergan, bis wir den Bereich der vielen 180 Grad Kehren bergauf erreichten. Auf der Karte konnten wir sehen, dass es zwischen den Kehren auch Abkürzungen gab, zwar sehr steil bergauf aber weniger lang.
So nahmen wir jeweils diese Abkürzungsstrecken, oft gerade hoch, immer der Falllinie entlang. Auf diese Weise erreichten wir schneller die oberste Höhe und konnten nun auf schmalen, oft kaum erkennbaren Pfaden entlang der Bergflanke hoch über dem See weiterwandern.
Wir kamen aus dem Wald heraus und hatten jetzt einen wundervollen Blick auf die umliegenden, größtenteils bewaldeten aber auch unbewaldeten Berggipfel.
Der Weg wurde sehr schmal, nur einen Fuß breit und links davon der steile Abhang. Oft war die Spur schräg nach unten geneigt und zum Teil sehr ausgesetzt, man musste genau auf jeden Schritt achten und sich oft ausbalancieren.
Tief unter uns der See inmitten eines dichten Waldes, hoch über uns auf grasbewachsenem Hang ein Schäfer mit seinen Tieren. Wie mag der da wohl hingekommen sein?
Wir durchquerten wunderschöne Blumenwiesen mit blauem Bergenzian und im Wald riesige Flächen mit Bärlauch. Zum Teil schon verblüht, zum Teil noch in voller Blüte und mit viel größeren Blättern als bei uns.
Hier könnte man zentnerweise Bärlauch pflücken. Beate zupfte nur einige Blätter ab für unser heutiges Abendessen.
Zweimal ging es uns so, dass der schmale Weg plötzlich endete, irgendwie waren wir falsch gelaufen.
Zum Glück konnten wir die Spur auf dem Smartphone verfolgen und sahen immer, ob wir noch auf dem richtigen Weg waren. So mussten wir dann steil den Hang hinunter durch hohes Gras und andere Pflanzen, um wieder den richtigen Pfad zu erreichen.
Es schien, als würden wir immer auf gleicher Höhe bleiben, doch irgendwo musste es ja wieder runtergehen.
Es war trotz aller kleiner Schwierigkeiten – oder vielleicht gerade deswegen – ein wunderschöner, abwechslungsreicher Weg.
Zurück am See
Dann neigte sich die Spur nach unten, es ging recht steil über einen Grasbuckel und wieder hinein in den Wald. Der Weg wurde breiter und kontinuierlich ging es abwärts.
Das letzte Wegstück zog sich hin, doch nach über vier Stunden Wanderung erreichten wir den Parkplatz am See wieder. Hier war jetzt alles ruhig, nur noch wenige PKW, dafür eine Reihe Wohnmobile kreuz und quer zwischen den Bäumen auf den wenigen geeigneten geraden Plätzen.
Auch wir entschlossen uns zunächst am Seeufer ein verdientes Feierabendbier zu trinken und dann auch hier über Nacht zu bleiben. Jetzt noch weiterzufahren und einen anderen Platz zu suchen, dazu hatten wir beide keine Lust mehr.
Recht müde und erschöpft von der anstrengenden Wanderung gingen wir nach dem Abendessen ziemlich zeitig ins Bett.
Touren – Informationen
Gefahrene Kilometer: 23,3 km
Google – Landkarte: Kolasin in den Biogradsko Jezero Nationalpark mit Wanderung
Gelaufene Kilometer: 11,5 km
Komoot Wandeerroute
Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 42:900 536
Längengrad: 19:595 705




















Schön da 👍 Wir waren am Mittwoch auch im Urwald-Klima, im Tropenhaus der Wilhema 🥳😊