Albanien -Dreißigster Tag, Donnerstag, 21.05.2026
Zu den Themalquellen
Heute sollte es ins Tal des Lengarica-Flusses gehen, der Fluss, der durch einen als spektakulär beschriebenen Canyon fließen soll. Bei guten Bedingungen kann man ihn auf seiner ganzen Länge von fünf bis sechs Kilometern gut durchwandern.
Um vor den vielen Touristen dort zu sein, standen wir heute früh auf, frühstückten zeitig und waren mit Allem um viertel vor neun fertig zur Abfahrt. Rekord.
Es ging nun erstmal den holprigen Schotterweg zurück, da sich die vor uns liegende Brücke über die Vjosa nach gestriger Inspektion als reine Fußgängerhängebrücke erwiesen hatte.
Schon bald nachdem wir die Straße nach Petran wieder erreicht hatten ging es auch schon links ab in Richtung Benja. Da derzeit in Albanien sehr stark für den Massentourismus aufgerüstet wird und unterschiedliche Kommentare zu Parkmöglichkeiten in Benja bei den Thermalquellen gemacht wurden, wählten wir einen Campingplatz aus, um dort eine Nacht zu bleiben.
Schon knapp 45 Minuten später waren wir da, suchten einen guten Stellplatz und machten uns dann wanderfertig.
Durch die nasse Schlucht des Lengarica-Flusses
Unweit des Campingplatzes wurde ein bis dato unbefestigter und bei Regen schlammiger Platz zum Parken hergerichtet als riesiger Parkplatz für Massen von Autos und als Freizeitgelände mit Restaurants, Bars, Cafés und Souvenirständen.
Die Idylle in diesem sicher einst traumhaft abgelegenen Tal wird bald dahin sein. Wie aus der Zeit gefallen steht da noch kurz vor dem Beginn des Canyons die aus dem 16.Jahrhundert stammende Steinbogenbrücke Ure e Kadiut.
Daneben überall zum Teil neu gebaute Wasserbecken, in denen das aus den Bergen kommende warme, schwefelhaltige Wasser aufgestaut wird und zum Baden einlädt. Jetzt gegen 10:00 Uhr war fast noch niemand hier.
Wir sahen, dass wir mit Wanderschuhen und langer Hose nicht durch den Canyon kommen würden, also Schuhe und Hose aus, Badehose war schon an, und Gummischuhe an die Füße. Dann ging es los, über große Flusskiesel und immer wieder durch den gar nicht mal so kalten Fluss.
Mal ging es rechts weiter, mal mussten wir auf die linke Seite wechseln. So ging es immer tiefer in den Canyon hinein. Doch auf der ganzen Strecke zeigte er sich nie so spektakulär, wie der vor einigen Tagen bewanderte Kanioni i Holtes. Zwar ragten rechts und links die Felswände an die hundert Meter empor, aber der Canyon ließ die Enge vermissen.
Wir gehen baden
Die meiste Zeit konnten wir durch lediglich knöcheltiefes Wasser waten, mussten allerdings immer aufpassen auf die rutschigen Felsbrocken im Flussbett, aber wir kamen gut durch.
Dann eine Engstelle, man sah schon, kein begehbares Ufer rechts oder links und tief schien es zu sein.
Ich tastete mich vor, den Rucksack über den Kopf haltend, doch plötzlich kein Grund mehr unter den Füßen. Schnell zurück und auf der anderen Seite des Flusses versucht, hier war es besser, das Wasser ging nur bis zur Brust.
Das gleiche Manöver ein weiteres Mal, dann kam eine rechtwinklige Kurve nach links. Die Felsen hier kurz über der Wasseroberfläche waren nicht mehr als drei Meter von einander entfernt. Fraglich, ob wir es da durchschaffen.
Ich ging voran, schnell stellte ich fest, es wird zu tief. Also zurück, den Rucksack abgelegt und am anderen Ufer erneut versucht. Doch auch hier stieg das Wasser immer höher, ich musste mit Schwimmbewegungen beginnen, dann war einer meiner Gummischuhe vom Fuß gerutscht. Auch das noch.
Zum Glück konnte er schwimmen, tauchte neben mir wieder auf. Nun also zurück zu Beate. Endstation. Ohne zu schwimmen kommen wir hier nicht durch und mit Rucksäcken können wir nicht schwimmen, alles würde nass.
Es hatte keinen Sinn mehr, wir mussten umdrehen, den ganzen Weg zurück. Zweieinhalb Stunden waren wir bis hierher unterwegs gewesen, nun also alles wieder retour. Das Gute war, wir kannten die Möglichkeiten, auch durch die tiefen Stellen zu kommen, mussten nicht erst den besten Weg suchen.
Leider wurde es uns jetzt auch kalt, doch wussten wir ja um die warmen Thermalbecken am Eingang der Schlucht.
Warmes Bad unter freiem Himmel
So kamen wir denn auch auf dem Rückweg schneller voran, schon nach eineinhalb Stunden hatten wir das erste Thermalbecken erreicht, das noch aus Natursteinen bestand, aber nicht sehr groß, ein neues wird nebenan schon gebaut. Wir lagen etwas hinein, doch so richtig warm war es nicht, wenig geeignet, um die Kälte aus unserem Körper zu vertreiben.
Also weiter, zum nächsten Becken weiter unterhalb, hier leider auch nicht mollig warm, nur im ersten Moment, wenn man schlotternd hineinging, doch warm wurde es uns auch hier nicht.
Wir kamen zur alten Bogenbrücke, unterquerten diese und versuchten unser Badeglück bei einem weiteren, neu gemauerten Becken. Kräftig wird hier gearbeitet, Betonterrassen mit Holzplanken belegt, um in der Sonne liegen zu können und eine Umkleidehütte errichtet, leider innen noch komplett dunkel und die einzelnen Kabinen ohne Türen.
Dafür war das Wasser in dem Becken nun tatsächlich richtig warm und wir blieben länger darin, um uns aufzuwärmen.

Nachmittag am Platz
Nach viereinhalb Stunden waren wir gegen halb drei wieder zurück am Wohnmobil. Leider hatte sich die Sonne etwas verzogen und im Laufe des Nachmittags begann es auch kurz zu regnen, doch die dunklen Wolken verschwanden alsbald wieder.
Den Rest des Nachmittags verbrachten wir wie viele der Wohnmobilisten faul vor dem Mobil sitzend und das vorgezogene Feierabendbier trinkend.
Erneut hatten wir einen tollen Canyon erkundet und erneut waren wir durch zu tiefes Wasser von der vollständigen Durchwanderung abgehalten worden. Doch gelohnt hatte es sich allemal.
Den Abend verbrachten wir mit der Planung des kommenden Tages und der weitere Reise.
Touren – Informationen
Gefahrene Kilometer: 10,9 km
Gewanderte Kilometer: ca. 11 km
Google – Landkarte: Canyon Wanderung des Lengarica-Flusses
Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 40.240 629
Längengrad: 20.429 524





























