Es ist so grau an Irlands Himmel

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Neununddreißigster Tag, Sonntag, 19.06.2022

Wir hatten wieder eine bewegte Nacht hinter uns und der tobende Sturm verhieß eigentlich nichts Gutes. Und so war es dann auch. Der Himmel wieder wie gewohnt grau, eine Farbe, die einen langsam verzweifeln lässt. Dazu ein nicht enden wollender Sturm. 12 Grad Außentemperatur, ich musste die Heizung im Wohnmobil anmachen. Von daheim und aus den Nachrichten hatten wir mitbekommen, dass derzeit in Deutschland Temperaturen zwischen 30 und 39 Grad herrschen und es auch nachts nicht unwesentlich kühler wird. Einerseits sind wir froh, das hier nicht zu erleben, denn so hohe Temperaturen wären im Wohnmobil unerträglich, andererseits könnte es doch ein wenig wärmer sein mit Sonnenschein.

Kurz nach elf Uhr verließen wir unseren Schlafplatz, füllten am Friedhofswasserhahn noch unserern Wassertank auf, leerten bei den öffentlichen Toiletten unser Klo und fuhren dann Richtung „Cliffs of Kerry“, den höchsten Klippen des Kerry County. Sie lagen allerdings auf privatem Gelände und der Eigentümer verlangte natürlich Euros für eine Besichtigung. Da wir nun schon genug Klippen besichtigt hatten, auch wunderschöne ohne Eintritt, drehten wir eine Runde auf dem Parkplatz und dann adé.

Irland
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Die enge Straße führte nun ziemlich gerade steil bergan auf eine Bergeshöh, dann ging es ebenso steil wieder runter, allerdings versehen mit einigen Spitzkehren. So ca. 20% Gefälle dürften es gewesen sein. Zum Glück kamen nur wenige Fahrzeuge entgegen, denen wir gut ausweichen konnten. Wieder knapp auf Meereshöhe angekommen ging es auf dem WAW weiter nach Waterville, einem kleinen, eigentlich schmucklosen und unbedeutenden Ort, wäre da nicht Charlie Chaplin viele Jahre lang zu Besuch gewesen und wäre von dort aus nicht 1857 das erste Transatlantikkabel für Telefonie verlegt worden. Chaplin hat man auf der Promenade ein Denkmal gewidmet, m.E. etwas zu groß, fast so wie ich, 1,86 Meter, dabei war Charlie tatsächlich nur 1,65 Meter groß.

Charlie Chaplin

Auf der Weiterfahrt immer noch grauer Himmel, immer noch heftiger Sturm und dann sogar leichter Regen. Heute nun stimmt die Wettervorhersage überhaupt nicht, hatte sie doch ab 12:00 Uhr Sonne versprochen. Die Landschaft ringsum wäre sicherlich beeindruckend, wenn man denn etwas gesehen hätte. Wir entschlossen uns alsbald, nun nicht länger dem Wild Atlantic Way gemäß Reiseführer zu folgen, sonderrn einen anderen Weg abseits der Küste zu nehmen. In der Ferne die grauen Silhouetten der Berggipfel, zu schade, um sie einfach so hinter uns zu lassen.

Irland
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Stefan bei der Büroarbeit
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Abends kam etwas blauer Himmel
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Kurz vor dem Abzweig zu einem kleinen Sträßchen runter ins Tal ein Aussichtsparkplatz, den wir ansteuerten. Grandiose Aussicht, wenn denn welche gewesen wäre. Die Landschaft hier zu schön, als dass man sie im trüben grau vorüberziehen lässt. Obwohl es erst halb drei Uhr war, entschlossen wir uns hier zu bleiben und dies als nächtlichen Schlafplatz zu nutzen.

Der Sturm blies unentwegt weiter – woher kommt nur soviel Wind? – und schüttelte unser Wohnmobil arg durch. Wie auf hoher See kam man sich vor. Ein kurzer Wettervorhersagencheck – Internetverbindung gab es hier nur immer zeitweise – Wetterbesserung jetzt 17:00 Uhr in Sicht.

Doch auch nach dem Abenessen immer noch nicht viel besser, nur zaghafte Wolkenlücken und etwas mehr Sicht auf die umliegenden Berge. Hoffentlich stimmt wenigsten die Vorhersage für morgen, da soll es nämlich wolkenlos schön werden. Die Landschaft hier hat es verdient, bei Sonnenschen betrachtet und genossen zu werden.

Und dann kam sie doch noch, die Sonne, viertel nach acht hatte der Sturm soviele Wolken weggeblasen, das große Teile des Himmel im klaren blau erstrahlten. Vielleicht haben sie doch noch recht, die Wetterfrösche, mit ihren Prophezeiungen für wolkenlosen Himmel morgen. Können wir gut brauchen für unseren geplanten Ausflug in die „Gap of Dunloe“.

Gefahrene Kilometer: 88 km

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