Tag der Enttäuschungen

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29. Tag, Montag, 26.06.2023

Heute morgen lachte die Sonne wieder herrlich vom Himmel in unser Wohnmobil. Leider war es auf unserem Stellplatz derart staubig, sodass wir nicht draußen frühstücken konnten, denn immer wieder bogen PKW auf den Parkplatz ein und wirbelten große Staubwolken auf.

La Base

Kurz nach zehn Uhr ging es los, erstmal entlang der Küste und dann nach Lorient, eine größere Stadt, die in den 40er Jahren die größte deutsche U-Boot-Basis beherbergte. Diese war unser Ziel und kurze Zeit später waren wir da. „La Base“ ist die heute französische Bezeichnung für diesen gigantischen Komplex am Hafen, gebaut aus hunderttausenden Tonnen von Beton. Aus drei großen Bunkern für U-Boote besteht die Anlage, ein vierter geplanter Bunker konnte nicht fertig gestellt werden. 32 U-Boote waren hier stationiert, um im Atlantik Krieg gegen alliierte Schiffe zu führen.

U-Bootbunkerr Lorient
U-Bootbunkerr Lorient

Da man diese massiven Betonbauten, die jegliches Bombardement der Engländer überstanden hatten, nach dem Krieg nicht abreißen konnte, nutzte die französische Marine ihn bis 1997 als U-Boot-Stützpunkt. Nun sind hier Schiffsbaufirmen, Museen, Bootsanlagen für Hochseeyachten u.a. untergebracht. Eine sinnvolle Nutzung dieser unsinnigen Giganten.

ehemaliges französisches U-Boot
ehemaliges französisches U-Boot
Begonnener Bau des Bunkers Nr. 4
Begonnener Bau des Bunkers Nr. 4

Doch nun kam Enttäuschung Nummer eins: Besichtigungen am heutigen Montag erst ab 14:00 Uhr möglich, dazu der Block K3, der mächtigste U-Boot-Bunker erst ab Dienstag, und er ist der interessanteste und größte aller Bunker. Was also tun. Etwas liefen wir im Hafengebiet herum, ich versuchte so gut es ging einige Eindrücke fotografisch festzuhalten, doch bis 14:00 Uhr konnten wir nicht warten, zumal ich bemerkte, das Beates Begeisterung für diesen ganzen Bunkerkomplex nicht besonders groß war.

Da es ja noch in St. Nazaire und La Rochelle ähnliche U-Boot-Bunker gibt, entschieden wir uns zur Weiterfahrt.

Les Alignements

Weltberühmt sind die Steinreihen von Carnac, die „Alignements“, eine schier unglaubliche Anzahl von großen Granitblöcken, die in Reih und Glied über Kilometer angeordnet sind. Erbaut vor mehr als sieben- bis neuntausend Jahren und man weiß bis heute nicht, welchem Zweck sie gedient haben.

Und hier dann Enttäuschung Nummer zwei: war ich doch in den siebziger Jahren mit meinen Eltern schon mal hier, konnte entspannt durch diese Steinreihungen laufen und schöne Fotos machen, heute ist alles umzäunt und man kann nur von außerhalb die Steine betrachten. Ein Tribut an die moderne Zeit mit dem Massentourismus. Nur in der Zeit von September bis März ist das Tor geöffnet und man kann direkt an den Steinreihen vorbei laufen. In der übrigen Zeit hat man bitteschön Geld dafür zu zahlen.

Les Alignements
Les Alignements
Les Alignements
Menhir Tours
Menhir Tours

Immer wieder fuhr ein offener Bus an uns vorbei mit der Aufschrift „Menhir Tours“ und zahlreiche zahlende Gäste ließen sich umher fahren. Auch eines dieser bekannten Zügle, mit denen man in Städten Rundfahrten machen kann, fuhr ständig umher. Wir zogen es vor, alles per Pedes zu erkunden, und das war bei dem wundervollen Wetter sicher auch das Richtige.

großer Menhir

Le grand Menhir brisé

Damals, in den 70er Jahren mit meinen Eltern, bin ich noch zu einem großen, zerbrochenen Menhir gefahren und diesen machte ich Beate nun auch schmackhaft. Also willigte sie ein einen kleinen Umweg zu fahren und auch dieses Stück Altertumsgeschichte zu erleben. Wir hatten nämlich vorher schon unseren Nächtigungsplatz ausgewählt, doch der Weg nach Locmariaquer zu diesem zerbrochenen Menhir betrug nur 15 Kilometer.

Dort angekommen Enttäuschung Nummer 3: kein freier Zugang mehr wie vor 50 Jahren, heute eines dieser überall vorgesetzten Touristeninformationszentren, in denen man neben dem Eintritt auch noch viel Geld für irgendwelches Unsinnes Souvenirzeug loswerden kann. Ich weigerte mich allerdings, nur um einen großen, zerbrochenen Stein zu sehen, sechs Euro pro Person Eintritt zu zahlen. An mir verdient hier keiner. Insgesamt ohnehin eine Unverschämtheit, hierfür Eintritt zu verlangen.

Am Zaun entlang konnte man gehen, auf einen Stein steigen und einen Blick auf den Menhir erhaschen. Auch ein gutes Foto konnte gemacht werden. Voller Zorn und Enttäuschung ging es dem Übernachtungsplatz entgegen.

Der zerbrochene Menhir
Der zerbrochene Menhir
Der zerbrochene Menhir

Wir kamen kurz vor 18:00 Uhr in Penvins an und bekamen auf dem Wohnmobilstellplatz gerade noch den letzten Platz. Glück gehabt, sonst hätten wir unser Vorhaben eines Abendessens im Restaurant nicht durchführen können.

Eine große Platte Meeresfrüchte für zwei
Eine große Platte Meeresfrüchte für zwei

Fruit de Mer

Auf ging es zum Restaurant Gwenn Ha Du unweit unseres Stellplatzes in Penvins. Gwenn Ha Du heißt die bretonische Fahne in der Landessprache. Hier waren wir sehr mutig und bestellten eine Platte Meeresfrüchte für zwei Personen, bestehend aus Austern, Langustinen, Crevetten, Schnecken und einer Araignet de Mer, einer Meeresspinne, ein Krebs mit langen Beinen und zwei Scheren. Austern, Crevetten und Langustinen waren sehr gut, die Schnecken sahen schon beim Herausholen des Fleisches aus dem Schneckenhaus etwas eklig aus und brachten mich dann doch etwas zum Würgen. Lieber nicht essen. Aber wir hatten es wenigstens probiert.

Von der Meeresspinne kann man eigentlich alles Fleisch essen, doch wir nahmen nur das Fleisch der Beine und der Scheren. Etwas mühsam, diese Knackerei mit einem speziellen Werkzeug und dann das Herauspulen mit einer dünnen, zweizinkigen Nadel, aber das Fleisch schmeckte nicht schlecht.

Aus dem Inneren des Körpers aß Beate nur etwas, mir sah das zu eklig aus. Insgesamt aber eine tolle Erfahrung, die man hier in der Bretagne gemacht haben muss.

Gut gesättigt fanden wir den Weg zurück ans Wohnmobil, tranken unseren rituellen Bettzeitschnaps und verschwanden dann ins kuschelige Bett.

Gefahrene Kilometer Wohnmobil: 141 km

Landkarte

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ruth Sieker-Hoppmann

    Tja, heute kostet halt alles Eintritt. Die Meeresfrüchte 🦞 Platte sieht toll aus, aber Schnecken 🐌 kann ich auch nicht 🤦🏻‍♀️

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