Albanien - Neunzehnter Tag, Sonntag, 10.05.2026
Entlang der Straße in die Berge
Obwohl das Wetter heute noch nicht wieder die strahlende Schönheit der ersten 14. Tage angenommen hatte, machten wir uns nach einen herrlichen Frühstück im Garten auf zu einer Wanderung in die Berge östlich von Peshkopi.
Zunächst ging es die Straße entlang, die aus Peshkopi hinaus in Richtung der warmen Schwefelquellen führt. Hier waren große Hotels angesiedelt für die Menschen, die hierher kommen, um Heilkuren im warmen Wasser zu machen. Das Wasser ist schwefelhaltig und soll gut gegen alle möglichen Erkrankungen sein.
Wir passierten den „Kurbereich“, in dem ein Thermalbadehaus steht, wo auch Touristen gegen kleines Geld in dem warmen Wasser in Badewannen baden können.
Rings um diesen Bereich hatten sich auch am heutigen Sonntag zahlreiche Händler platziert, um ihre Waren zu verkaufen. Hauptsächlich waren das Kleidungsstücke und Schuhe. Ein Händler saß bei einem riesigen Haufen Kleider, alles übereinander geworfen als hätte man einfach einen Altkleidercontainer ausgeleert.
Wie man da was passendes finden soll bleibt Geheimnis der Albaner. Auch Schuhe, vor allem Sportschuhe, wurden massenhaft angeboten.

Bergeinsamkeit
Wir zogen weiter an der Straße entlang, bis nach etwa einer Stunde ein Abzweig in die Bergwelt erreicht war. Ab jetzt ging es sanft bergauf an einem rauschenden Fluss entlang, die hohen Berge im Blick.
Mal waren die Gipfel frei, dann wieder von Wolken verdeckt. Die Sonne wollte sich nicht recht zeigen, doch schwül war es, sehr schwül.
Der Weg führte durch wunderschönen, saftig grünen Laubwald mit den dunklen Felswänden im Hintergrund. Der etwas trübe Himmel ließ die Gegend manchmal bedrohlich erscheinen, wir kleinen Menschen in dieser weiten, hoch aufragenden Bergwelt, keine anderen Wanderer unterwegs.
Über Matschwege ins Bergdorf
Irgendwann hatten wir den Umkehrpunkt des Weges auf 1200 Metern Höhe erreicht. Hier, im Angesicht schroffer Felswände machten wir Rast.
Plötzlich ein bedrohliches Donnern und Rauschen aus zuerst unbekannter Richtung, dann entdeckte Beate an der gegenüberliegende Felswand eine Staubwolke, hervorgerufen durch einen mächtigen Abgang einer Steinlawine. Da möchte man nicht in der Nähe sein.
Dann ging es weiter, der zunächst noch gute Weg wandelte sich in eine schmale Spur, zertreten von Pferden oder anderen Tragtieren und verlief dann sogar in einen fließenden kleinen Bach.
Wir mussten uns immer rechts oder links ganz am Rande des Weges bewegen, um nicht allzu schmutzig und nass zu werden. Mal wurde es wieder besser, nur um gleich darauf wieder zu einer Schlammwüste zu werden.
Wir fragten uns, wo in dieser einsamen, bergigen Gegend jetzt ein Dorf kommen soll, das auf der Karte verzeichnet war. Aber irgendwann musste es kommen.
Dann tauchten schwach sichtbar durch das Laub der Bäume rote Dächer auf, wir näherten uns dem Bergdorf Rabdisht. Der Weg dorthin noch schlechter, tiefe Wasserlöcher und Matsch und Dreck.
Rabdisht, Dorf aus einer früheren Welt
Das Bergdorf Rabdisht schien aus der Zeit gefallen, mit dicken Natursteinen versehene, enge Gassen und kleine Steinhäuser, oft gedeckt mit Blechdächern, aber auch mit Ziegeln. Einige verfallen, andere recht hübsch hergerichtet.
Die weiße Moschee mit ihrem hohen Minarett war in gutem Zustand, der Weg dahin nicht.
Kinder begegneten uns und immer wenn wir auf Kinder in Albanien treffen, wenden sie ihre bis dahin spärlich erworbenen Englischkenntnisse an und fragen: „What’s your name? Where are you from?“ Brav gaben wir Auskunft, erfragten ihre jeweiligen Namen, die wir uns aber nicht merken konnten und zogen dann weiter.
Rabdisht zeigte uns das ursprüngliche, unverfälschte Leben der albanischen Bergbauern und ihrer Kinder.
Für mich befremdlich sich vorzustellen, ein Leben lang hier zu wohnen, so wie es die Alten wohl getan haben, aber die Kinder spielten hier wie überall, versuchten mit ihrem Fahrrad auf der holprigen Steinstraße voranzukommen oder halfen den Eltern auf dem Feld.
„Wahrscheinlich sind diese Menschen glücklicher als die in ihren Wohnsilos in Berlin-Marzahn“ meinte Beate, und wahrscheinlich hat sie recht. Bis zu einem gewissen Alter, denn viele der albanischen Dörfer in den Bergregionen des Ostens schrumpfen, verlieren von Jahr zu Jahr mehr Einwohner, die Bevölkerung der Städte nimmt dafür leicht zu.
Fußbad im heißen Wasser und Kaffee im Garten
Auf dem Rückweg immer an der Straße entlang kamen wir auch an einem nach Schwefel riechenden Wasserbecken vorbei, in dem zahlreiche albanische Frauen badeten oder nur ihre Füße hineinhingen.
Auch Beate wollte das versuchen, zog Schuhe und Strümpfe aus und steckte ihre Füße ins warme Nass. Ich verzichtete darauf bei all den Frauen der einzige Mann zu sein, wobei dann doch noch ein Albaner kam, der es den Frauen gleich tat.
Eine der Frauen beobachtete Beate ganz genau und als sie nach etwa zehn Minuten wieder heraus wollte hieß es, nein, mindestens 20 Minuten im Wasser bleiben. Die Frau kontrollierte Beates Aufenthalt und nach 20 Minuten durfte sie gehen. Nettes Volk, sehr bemüht auch um Fremde.

Kurze Zeit später erreichten wir wieder unseren Campingplatz, ich machte Kaffee und an einem schönen Sitzplatz unter einem Dach genossen wir ihn und Beate erledigte die angefallene Computerarbeit.
Bis es zu kühl wurde saßen wir draußen nach diesem wieder sehr schönen Wandertag. Sechs Stunden waren wir unterwegs gewesen, hatten 16 Kilometer durch Albaniens Provinz zurückgelegt und ein interessantes, sehr ursprüngliches Dorf kennen gelernt.
Die Sonne hatte sich zwar den ganzen Tag nicht gezeigt, aber es war warm und trocken.
Touren – Informationen
Gefahrene Kilometer: 0 km
Gewanderte Kilometer: 16 km
Google – Landkarte: Wanderung Schwefelbäder
Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 41.685 807
Längengrad: 20.438 567
















