Albanien -Dreiundzwanzigster Tag, Donnerstag, 14.05.2026
Auf Tiranas Hausberg
Die Sonne zeigte sich wieder sehr schön am Himmel, heute hieß es Tirana verlassen. Doch so ganz hinter uns lassen wollten wir die Stadt auch noch nicht gleich, so kämpften wir uns erstmal durch den morgendlichen Stadtverkehr hinaus Richtung Dajti, dem Hausberg Tiranas.
Hier hinauf kann man mit der Gondel fahren oder über eine lange, gewundene Straße mit dem Auto. Wir nahmen natürlich die Straße. Es war ein weiter Weg dorthin, die letzten Kilometer musste noch Maut entrichtet werden, da das Gebiet um den Berg herum Naturschutzgebiet ist.
Hier wurde die Straße dann auch einspurig, aber zum Glück kam uns auf der ganzen Strecke bis zur Bergstation der Seilbahn niemand entgegen.
Der Blick hinab vom Berg
Oben angekommen standen hier wenige Autos, aber es waren viele Leute unterwegs. Die meisten sind mit der Gondel hoch gekommen.
Neben der Bergstation der Seilbahn erhob sich ein großer Hotelturm mit Aussichtsrestaurant und Skybar. Der Aussichtsplatz neben dem Restaurant war recht eng, man musste zunächst die dort stehenden Personen in Ruhe schauen lassen, dann konnten wir den Blick in die Tiefe wagen.
Da lag sie nun in ihrer ganzen Größe, die Hauptstadt Albaniens. Wir kamen in ein nettes Gespräch mit einem deutschen Ehepaar, machten gegenseitig Fotos auf einer herzförmigen Schaukel und gingen dann weiter.
Durch die Berge nach Elbasan
Es ging den gleichen Weg wieder hinunter, nur brauchten wir jetzt nicht mehr durch die Stadt sondern bogen vorher Richtung Süden ab. Die Autobahn wollten wir nicht nehmen, schöner ist die Fahrt durch die Berge.
Albanien ist ein ungeheuer bergiges Land, wohin man schaut, Berge und Hügel. Die Landschaft liegt unter einem wie ein stark zerknittertes Blatt Papier, nirgendwo eine ebene Fläche.
Nur in der westlichen Küstenregion ist es nicht ganz so bergig. Dazu überall sattes grün, gesprenkelt mit vereinzelt oder in kleinen Haufen daliegenden Häusern oder Ortschaften, ein phantastischer Anblick.
Auf der Autobahn kommt man sicher schneller voran, doch wer die Landschaft genießen will sollte in jedem Fall die längere Strecke über die Berge nehmen.
Industrie und Altstadt in Elbasan
Am frühen Nachmittag erreichten wir Elbasan, die viertgrößte Stadt Albaniens. Sie ist geprägt von Industrie und in kommunistischer Zeit war hier eine riesige, stinkende, luftverpestende Metallindustrie angesiedelt worden, deren Ruinen heute noch zu sehen sind.
Das „Kombinat Metalugjik“ war der größte Industriebetrieb Albaniens, der eine wesentliche Rolle bei der Umwandlung des Landes vom Agrarland zum Industriestaat spielte. Es hatte in vielerlei Beziehungen wichtige Aufgaben für die sozialistische Volksrepublik bei der Schöpfung des neuen Menschen und der Verwirklichung des Kommunismus.
So war es fast endlos auch Gegenstand der Propaganda, war Handlungsort von Filmen und Motiv von Gemälden und war der „Stolz der kommunistischen Errungenschaften Albaniens.“ Doch 1991 war Schluss damit, zwar wird durch ein türkisches Unternehmen hier noch Metallverarbeitung betrieben, aber ohne die gewaltige Umweltverschmutzung.
Unser erster Weg war dorthin, um sich die Ruinen dieses Werks anzuschauen.
Hierbei sahen wir in einem Bereich auch einen „Recyclingbetrieb“, wo Unmengen von Plastikabfall von Frauen auf ein Förderband geschaufelt wurden und in einen Schredder fielen. Eine Schaufel hatten die Frauen nicht, mit bloßen Händen bzw. einem runden Plastikdeckel und einem kleinen Handschäufelchen mussten sie den Abfall auf das Förderband werfen. Etwas weiter wurde neuer Abfall mit einem Klein-LKW angeliefert. Da werden die Frauen nie fertig mit ihrer Arbeit bei dieser Menge von Abfall.
Nach einen Rundgang und etlichen Fotos kehrten wir zum Wagen zurück und fuhren ins Stadtzentrum.
Historische Altstadt und alte Nikolauskirche
Das Zentrum Elbasans ist historisch und umgeben von einer dicken, alten Stadtmauer, der Festung. Im Inneren enge Straßen und kleine Häuser, auch eine Straße mit den ganz alten, typischen Häusern ist noch erhalten.
Schön anzusehen die Königsmoschee mit ihrem hochaufragenden Minarett und die etwas entfernt liegende christliche Marienkirche. Die war leider schon geschlossen, während wir das Innere der Moschee anschauen konnten.
Dieser mittelalterliche Kern der Stadt ist sehenswert, der Rest eine austauschbare große, moderne Stadt.
Wir fuhren wieder hinaus aus der Stadt und wieder auf Bergeshöhen. Im kleinen Dorf Shelcan war die St. Nikolauskirche zu finden, der wohl älteste christlich-orthodoxe Kirchenbau aus dem 14. Jahrhundert in Albanien. Berühmt ist die Kirche durch ihre Freskenmalerei, doch die konnten wir leider nicht anschauen, da das Kirchlein geschlossen war.
Nikolauskirchen sind für uns immer interessant, da auch wir in Stetten eine St. Nikolauskirche haben.
Nachtquartier mit üppigem Mahl auf 900 Metern
Nun war schon wieder die Zeit gekommen, einen Stellplatz für die Nacht zu finden. Im 12 Kilometer entfernten Dorf Gjinar fanden wir ihn neben abgestellten alten LKWs.
Doch hier im Dorf gab es auch kleine Restaurants und Beate wollte heute nicht kochen. Also suchten wir so ein Restaurant auf, doch es war niemand anzutreffen. Wir waren schon wieder auf dem Weg zurück, da überlegten wir nochmal, ob nicht evtl. doch jemand vom Personal zu finden ist.
Als wir das Lokal betraten, kam ein Mann hinzu, der offenbar der Besitzer war. Ich fragte nach Abendessen, er bejahte und so nahmen wir in dem sehr großen Gastraum platz. Von der Speisekarte konnten wir nur „Bifteki“ lesen, also bestellten wir das zweimal, zusammen mit Kartoffeln und Salat.
Was dann aufgetischt wurde ließ uns staunen, ein großer Teller mit acht Stücken Fleisch, Kartoffelschnitze, zwei großen Schüsseln mit verschiedenen Salaten, etliche Stücke frisch getoastetes Weißbrot, dazu Wasser und zwei Flaschen Bier.
Wir schafften es nicht, alles zu essen, waren rundum satt und bezahlten für das alles nur 20 Euro. Essen außerhalb der Touristenzentren ist in Albanien noch recht billig, allerdings gilt das auch für die Nachbarländer auf dem Balkan.
So blieb uns im Wohnmobil nur noch, zwei Raki zur Verdauung zu trinken und dann satt, zufrieden und müde ins Bett zu sinken.

Touren – Informationen
Gefahrene Kilometer: 124 km
Google – Landkarte: Von Tirana über Elbasan in die Berge
Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 41.016 678
Längengrad: 20.203 861





















