So ein Käse und dann noch „Fasnet“

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8. Tag, Montag, 05.06.2023

Besuch im Käsehaus

Nach dem herrlichen Frühstück bei Sonnenschein und blauem Himmel, dem zweiten Frühstück bisher draußen, gingen wir hoch in den Ort zum dortigen Camembertmuseum. Ein nettes kleines Museum, in dem viel über die Camembertherstellung gezeigt wird. Da man davon dann richtig Appetit auf ein Stück Käse bekommt, kann man in einem anderen Gebäude eine Käseprobe bekommen. Zeitgleich tauchten hier auch viele Oldtimer auf, maßgeblich aus England und der Schweiz, die eine Rallye quer durch Frankreich absolvierten und in Camembert natürlich auch mit Camembert versorgt wurden.

Wir ließen uns drei verschiedene Camemberts im Sonnenschein schmecken und fuhren dann zwei Kilometer weiter zu einer Käserei, wo wir etwas billiger guten normannischen Käse einkaufen konnten. Zwei Camemberts, einen Livarot und einen Pont l’Eveque.

Camembert
Erfinderin des Camemberts Marie Harel
Camembert
Die verschiedensten Sorten der Region Camembert
Camembert
Original Camembert
Heerführer William, der Eroberer
Heerführer William, der Eroberer

Tensixtiesix

Wer hat nicht im Englisch- oder Geschichtsunterricht die Jahreszahl 1066 zu hören bekommen?

Die Schlacht bei Hastings und die Eroberung Englands durch die Normannen und deren Heerführer William, den Eroberer. Dieser spätere König von England wurde 1027 in Falaise geboren und besaß dort eine mächtige Burg. Diese schauten wir uns an, nicht im Inneren, aber von außen und lernten außerdem etwas über die grausame Geschichte, die über Falaise in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 hereinbrach. Kurz nach der Invasion wurde auch diese Stadt von den Amerikanern bombardiert und stark zerstört, im August 1944 erledigten dann deutsche Bomber den Rest. Nur wenig blieb stehen in Falaise, an einer großen Kirche wird noch heute am Wiederaufbau gearbeitet. Falaise war wohl neben St. Lo die Stadt, die am meisten unter der „Befreiung“ gelitten hat.

Die Burg von Heerführer William, dem Eroberer
Die Burg von Heerführer William, dem Eroberer

Zurück an die Küste

Von Falaise aus schlugen wir nun den direkten Weg an Caen vorbei nach Benouville ein. Hier führt die unter dem Namen „Pegasus Bridge“ bekannte Brücke über den Ornekanal. Sie erlangte Berühmtheit durch den Angriff britischer Luftlandetruppen mit Lastenseglern am Abend des 05.06.1944, als eine von Major John Howard geführte Einheit die von der Wehrmacht bewachte Brücke einnahm. Kurz vor Mitternacht wurde auf der anderen Seite das Cafe von Madame Gondree eingenommen und war damit das erste Haus in Frankreich, das „befreit“ wurde.

Cafe von Madame Gondree
Cafe von Madame Gondree

Am heutigen 79. Jahrestag dieses Ereignisses waren natürlich nicht wenige Leute vor Ort. Viele Sovenirstände gab es, zahlreiche Jeeps waren unterwegs, vor Mme. Gondrees Cafe spielte eine englische Blaskapelle und es herrschte eine Stimmung wie bei uns an Fasnet. Ein wenig ließen wir uns auch einfangen von dieser Atmosphäre und ich bedauerte, nicht selbst mit meinem Jeep vor Ort zu sein. 1989 war ich hier, danach nicht mehr. In der Gruppe der Gäste vor dem Cafe sahen wir auch einen hochbetagten und hochdekorierten Mann im Rollstuhl, wahrscheinlich einer der letzten noch lebenden Veteranen. Über viele kleine Straßen und durch viele kleine Orte ging es unserem Übernachtungsplatz entgegen, den wir diesmal über die Internetplattform „Homecamper“ vorgebucht hatten.

Sehr nervig sind die vielen Kreisverkehre und die ständigen Fahrbahnerhöhungen, vor allem vor Zebrastreifen und an Ortsein- und -ausgängen. Dies soll zur Verringerung der Geschwindigkeit beitragen und tatsächlich, wenn man mit mehr als 20km/h über die Huckel fährt wirft es alles im Wohnmobil durcheinander. Kaum hat man die Geschwindigkeit wieder etwas erhöht, kommen entweder ein Kreisverkehr oder solche zum Teil sehr unterschiedlich hohe Fahrbahnschwellen.

Irgendwann sind wir dann angekommen an unserem Stellplatz, ein schönes Gelände einer Apfelbaumplantage, wo man zwischen den Baumreihen stehen kann, Einige Wohnmobile waren hier, wir parkten ein, kauften im Hofladen etwas Cidre und Pommeau, probierten zum wiederholten Male uns nicht schmeckenden Calvados und grillten dann unter Bäumen unsere Fleischwaren.

Kurz vor 21:00 Uhr war dann die Sonne hinter den Bäumen verschwunden und es wurde kühl, Zeit, um ins Wohnmobil zu verschwinden.

Zwei Nächte wollen wir hier stehen, morgen den 79. Jahrestag der Invasion begehen.

Gefahrene Kilometer: 135 km

Camembert – Bayeux Landkarte