Vom Wein im Untergrund und dem Kloster im Fels

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Vierundvierzigster Tag - Donnerstag, 16.09.2021

Der Wein im Untergrund -Milestii Mici

Die von uns gestern gebuchte Führung durch einige Gänge des größten Weinkellers der Welt in Milestii Mici begann um 11.00 Uhr. Wir fuhren mit einem Elektrokarren in den Stollen ein, eine ehemalige Mine für den Abbau von Sand- und Kalkstein. 

Entstanden in den 50er Jahren unter sowjetischer Herrschaft und seit 1996 genutzt als riesiger Weinkeller. 1,5 Millionen Flaschen lagern hier, die ältesten aus dem Jahr 1973. Auch als Privatperson kann man sich hier einen Lagerplatz für ca. 300,-€ im Jahr mieten. Man muss lediglich mindestens 50 Flaschen einlagern, die über die Jahre, sofern man sie nicht austrinkt, immer wertvoller werden. Bei der Rundfahrt und dem Rundgang durch die weitläufige Kelleranlage wurde uns auch dieser Bereich gezeigt. Es war schon überwältigend und bedrückend, so viele Flasche guten Weines zu sehen und keine davon öffnen zu können. Eine Weinprobe war ja leider nicht drin, da wir noch weiter fahren mussten. Die Rundfahrt dauerte ca. 50 Minuten, dann konnten wir noch im Weinladen einige Flaschen Rotwein erstehen. Gegenüber Deutschland ist das alles hier furchtbar billig, aber leider sind unsere Transportkapazitäten begrenzt.

Nach Ende der Führung nutzten wir wie immer, wenn es gutes Internet gab, die Möglichkeit, um die Tagesberichte ins Netz zu stellen. Dann fuhren wir weiter Richtung Chisinau und Cricova.

Irgendwo
Elektrobus in Milestii Mici​
Weinkammern in Milestii Mici​
Irgendwo

Wasserfassen

Wir fuhren auf gleicher Straße nach Chisinau ein, die wir schon beim ersten Besuch gefahren sind. Allerdings bogen wir ab, bevor es Richtung Innenstadt ging. Dann plötzlich wieder eine der vielen im Land verteilten und funktionierenden Wasserstellen, diesmal kein Brunnen mit Wassereimer sondern aus einer Wand sprudelndes Nass. Wir stoppten sofort, denn sobald Wasser verbraucht ist, versuche ich, es zu ersetzen, ob es nun regnet oder die Sonne scheint. Mehrere Kannen wanderten in den Wassertank, dann ging es weiter.

Zweitgrößte Weinkellerei der Welt - Cricova

Nächstes Ziel war die zweitgrößte Weinkellerei der Welt in Cricova. Hier sollen u.a. auch Putin und die Merkel Wein eingelagert haben. Besichtigungstouren für heute waren schon ausgebucht, nun, wir hatten ja bereits einen Weinkeller besichtigt. Allein in den Weinladen wollte ich noch, um auch von Cricova ein paar Flaschen zu erwerben. Insbesondere die im Reiseführer angepriesene Rebsorte Isabella wollte ich hier erstehen. Zum Glück wurde ich fündig, zwei Flaschen wanderten in den Einkaufskorb. Gleich am Abend mussten wir ihn probieren, Beates Gefallen fand er nicht, auch mein Lieblingswein ist ein anderer. Geruch und Geschmack freundlich ausgedrückt wie Gummibärensaft mit einem Schuss Benzin oder aber wie Fuchsurin.

Nanu, Grenze?

Ins Navi hatte ich den weiteren Zielort nach Cricova eingegeben, allerdings nicht überprüft, ob das auch stimmen könnte. Die Straße jedenfalls waren gut, wir kamen flott voran, sie ging wie in den USA fast nur schnurgeradeaus, mal rauf, mal runter, war meist mit gutem Belag versehen. Wie schön war das, auf so einer Straße rollen zu können.
Plötzlich tauchte ein Kontrollposten auf, zwei Schranken, ein Häuschen, ein Schild. Die Autos vor uns rollten einfach durch, auf der Gegenseite wurde manchmal kontrolliert. Ich wollte schon weiter, da gab mir ein Polizist ein Zeichen zu warten. Er kam zu uns, schaute aufs Kennzeichen und wies uns an, am Rand zu parken. Wo waren wir? Auf dem Weg nach Orheiul Vechi gibt es doch keinen Kontrollposten? Ich überprüfte die Strecke im Navi, es führte uns ganz woanders hin, über die Grenze nach Pridnestrowje. Hätte ich mal vorher überprüfen sollen.

Wir mussten die Pässe und die Vignettenbescheinigung vorzeigen. Ein Polizist in zivil konnte gut englisch, ich erklärte ihm unseren Fehler, wir wollen nicht nach Transnistrien. Dann sah er meinen am Dienstag Abend in dem russischen Lokal in Tiraspol erworbenen Button mit Wappen von Pridnestrowje an meinem Hemd. „Ich rate ihnen, das nicht auf dem Territorium von Moldau zu tragen, machen sie das ab, ich hasse es.“ Nun gut, tat ich ihm halt diesen Gefallen, man will ja nicht provozieren.

Irgendwo
Fahrt durch die Dörfer
Was man alles nicht darf

Interferenz – die „Wellblechstraße“

Wir durften wenden und fuhren zurück. Neue Strecke eingegeben, diesmal genau überprüft, ob es stimmen kann. Dann abgebogen auf eine kleinere Nebenstraße und schon waren wir wieder im Ungemach. An sich nur eine nicht asphaltierte Schotterstraße, die aber hatte ihre Tücken.

Dort, wo hauptsächlich die Autos fuhren, genau in Spurbreite unseres Wagen, waren jeweils kleine Wellen, die den Wagen ins Schütteln brachten. Man fuhr praktisch wie auf Wellblech, und wurde die Geschwindigkeit etwas zu hoch, fing der ganze Wagen fürchterlich an zu schütteln, sodass schnell wieder Gas weggenommen werden musste. Man geriet sehr schnell und häufig in den Interferenzbereich der Schwingungen, d.h., die durch die Rüttelei hervorgerufene Eigenschwingung des Fahrzeuges überlagerte sich mit den momentanen Schwingungen durch das Überfahren der Bodenwellen.
Die Überlagerung bewirkte eine Verdoppelung der Schwingungen, wir mussten befürchten, dass bald irgendetwas im Wohnmobil abfällt. Schneller als 30 km/h konnten wir nicht fahren und auch hier war die Straße über viele Kilometer schnurgerade. Irgendwie frustriert einen das ganze, man sitzt wie in einer Falle, aus der man rauskommen muss, aber ein Entkommen in weiter Ferne liegt. So versuchten wir immer wieder ein Stück Straße zu erwischen, wo es weniger schüttelt, aber mit einer Seite war man immer auf diesen Wellen.

Beate fuhr, ich übernahm die Navigation, wir mussten hier weg. Der Abzweig zur nächsten Ortschaft wurde genommen in der Hoffnung, dass es dort und danach, auf anderer Straße besser sein würde. Tatsächlich, in die Ortschaft hinein führte eine wunderbar glatte Asphaltspur. Man fühlt sich plötzlich so erleichtert, es kommt einem Orgasmus gleich, wieder fast lautlos und ohne Schütteln fahren zu können.

Irgendwo
Irgendwo
Irgendwo

Nach Orheiul Vechi

Bald schon ging es wieder auf unbefestigte, sandige Piste, hier wird man weniger durchgerüttelt. Dafür aber kleinere Schlaglöcher und die Straße durch die Dörfer wurde immer enger, vor allem Äste der Bäume hingen tief über ihr. Unser Wohnmobil wird so manche Schramme bekommen haben. Mit Sicherheit hatten die Dorfbewohner noch nie so ein Fahrzeug durch ihren Ort fahren sehen, manche guckten sehr verwundert.
Am Ziel angekommen parkten wir den Wagen und gingen weiter zu Fuß. Orheiul Vechi ist ein kleiner Ort mit Klosterkirche an den schroffen Abhängen des Flüsschens Räut (sprich Rä-ut). Im Besonderen ist hier eine Kirche in den Fels hineingehauen worden, dazu Schlafgemächer für die früher dort wohnenden Mönche. Kommt man in den Kirchenraum, fühlt man sich wie in einem Wohnzimmer, doch ist es eine orthodoxe Kirche mit allem, was im Inneren dazu gehört, ohne dass sie allerdings ausgemalt ist. Auch hier ein Mönch unsichtbar hinter der Ikonostase unablässig monoton brabbelnd. Ein anderer, alter, bärtiger Mönch zählte gerade die winzigen Geldspenden der Besucher, alles nur kleine Aluminummünzen im Wert von 10 und 25 Bani, ungefähr 0,005 – 0,01 €. Auch ich gab meine zwei Alu-Münzen als Spende.

Man tritt aus dem Kirchenraum hinaus in die Felswand auf eine Felsplatte oberhalb des Flusses. Absturzsicherungen Fehlanzeige. Man muss schon selbst auf sich aufpassen.
Die Landschaft hier und das Felsenkloster waren schon recht beeindruckend, doch wir mussten unseren Weg fortsetzen. Ab jetzt ging es auch wieder auf guten Straßen flott voran.

Orheiul Vechi
Orheiul Vechi​

Nachtquartier

Inzwischen war es schon nach 18:00 Uhr und wir mussten nach einem Übernachtungsplatz Ausschau halten. Es wird nun schon immer früher dunkel, viertel vor acht ist es finster. Also auf der bewährten und absolut empfehlenswerten App Park4Night einen Platz im nahegelegenen Städchen Orhei an einem See bei einem Vergnügungspark gefunden und aufgesucht. Zum Glück ist der Vergnügungspark nicht in Betrieb, zumindest an diesem Abend nicht und auch der Parkplatz oberhalb war leer. Hier konnten wir gut stehen, es gab mal wieder Ravioli, um den Konservendosenbestand zu verringern, hatte Beate doch zu ihrem Geburtstag vor unserer Abreise noch jede Menge Ravioli in Dosen geschenkt bekommen.

Gefahrene Kilometer: 118 km

Landkarte: Fahrt nach Orheiul Vechi

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