Siebzehnter Tag, Freitag, 08.05.2026
Wir verlassen die Berge - Valbonatal
Unsere Vorstellung, das Valbonatal als ein verschlafenes Gebirgstal vorzufinden, war ja schon gestern bei der Ankunft zerstreut worden. Noch am späten Abend wurden Straßenbauarbeiten durchgeführt und sehr spät noch kamen zahlreiche Autos aus der Slowakei, alles ralleymäßig ausgerüstete PKW und parkten in unserer Nähe.
Heute Morgen gar nicht mal so schlechtes Wetter, bedeckt zwar aber trocken und freie Sicht auf die Berge. Ich ging zu den Slowaken und fragte, was das denn für eine Truppe sei?. Es waren junge Leute, die von der Slowakei zu einer Rundfahrt durch Ungarn, Montenegro und Albanien aufgebrochen waren und tatsächlich eine Art Rallye mit ihren umgebauten und dafür angepassten Wagen fuhren.
Kurz vor zehn Uhr verließen wir unseren Übernachtungsplatz. Wir waren erstaunt über soviel Bautätigkeit, die Straße hierher war recht neu, rechts und links davon wurden aufwändig mit grauen und roten Steinen Fußwege gepflastert und mit hohen, solarbetriebenen Straßenlaternen versehen. Man erwartet hier wohl in der Saison sehr viele Gäste. Davon zeugen auch die zahlreichen, recht neuen Gästehäuser und etlichen Campingmöglichkeiten.

Die Landschaft wird einsamer
Für uns ging es nun erstmal den gleichen Weg an dem reißenden Fluß Valbona mit herrlich türkisgrünem Wasser zurück bis zur Stadt Bajram Curri und dann eine gewundene Nebenstrecke durch recht einsame, aber landschaftlich schöne Gegend.
Wir überquerten eine abenteuerliche und am Ende recht enge Brücke, sodass ich aussteigen und Beate mit dem Wagen zentimetergenau hindurchlotsen musste. Ortschaften gab es fast keine auf der Strecke, nur gelegentlich ein paar verstreute Häuser. An einer der wenigen Wasserstellen in der Gegend hielten wir an und füllten unseren Wassertank auf.
Wir durchfuhren eine im Grunde beeindruckende Landschaft, nur fehlte eben die Sonne.
In einem kleinen Ort hielten wir und planten unsere weitere Strecke angesichts der nicht positiven Wettervorhersage bis morgen Nachmittag. Wir entschlossen uns, nur bis zur nächsten größeren Stadt Kukes zu fahren und dort das kommende Regengebiet abzuwarten.
In der ärmsten Region des Landes – Stadt Kukes
Die Stadt Kukes liegt in einer der ärmsten Regionen Albaniens. Während des Kosovokriegs im Jahr 1999 erreichte Kukës kurz weltweite Berühmtheit, als zehntausende von albanischen Flüchtlingen aus Kosovo in Kukës Zuflucht fanden und hunderte von Journalisten über die Ereignisse berichteten.
Rund um Kukës entstanden damals Flüchtlingscamps aus Zelten, die von internationalen Hilfsorganisationen und den Armeen von NATO – Staaten betrieben wurden.
Hier in Kukes sieht man die relative Armut an den Häusern und im Stadtgebiet, nichtsdestotrotz fahren auch hier teure Autos herum, angefangen vom Bentley für mindestens 230.000 Euro bis hin zu teuren Audi und Mercedes Modellen. Überhaupt ist Mercedes in Albanien Statussymbol, egal ob dicker Neuwagen oder getunte Modelle von AMG oder Brabus oder aber die älteste, verratzte merkelsche Abwrackprämienkarre, Hauptsache Mercedes.
Als wir in Kukes einfuhren sahen wir viele interessante Geschäfte mit allem möglichen Haushalts- und Gartengerät, die wir uns näher anschauen wollten. Eine Parkmöglichkeit in der Nähe der Moschee war schnell gefunden, dann ging es kurz nach 16:00 Uhr ins Stadtzentrum. Doch zu unserer Überraschung waren schon viele Geschäfte geschlossen und andere waren dabei, ihre Waren einzuräumen. Nun gab es nichts mehr zu sehen.
Abendessen mit Lammkopf
Wir hatten uns vorgenommen, hier am Abend in einem Restaurant etwas zu essen, doch das erste ausgesuchte Restaurant hatte geschlossen.
Wir wussten aber von einem nicht weit von unserem Parkplatz entfernten, in dem man gut essen konnte und auf dessen Parkplatz der Wirt auch das Parken über Nacht erlaubte. Da unser derzeitiger Platz neben der Moschee ohnehin nicht der beste war parkten wir um und suchten das Restaurant auf.
Ich bestellte Rindfleischaschschlik mit Reis, Beate wollte Lammfleisch, doch das gab es nicht mehr, aber Lammkopf sei noch da.
Ich bekam mein Essen schon recht bald und witzelte darüber, dass Beate wahrscheinlich einen ganzen Lammkopf serviert bekäme, doch das wollte sie nicht glauben. Schon hatte ich fertig gegessen, da kam tatsächlich auf einem Teller ein halbierter Lammschädel mit allem, was dazu gehört, Zunge, Gebiss, Hirn und Augen. Naja, mein Fall wäre es nicht gewesen, aber man muss wohl Kind vom Land sein, um sich daran zu machen, das wenige Fleisch abzuschneiden oder abzuknabbern.
Doch Beate schmeckte es, das Fleisch und Hirn war super lecker und das war die Hauptsache. Akzeptabel war auch der Preis von ca. 25,- Euro für zwei Essen und zwei große Biere.
Wir haben allerdings bisher die Feststellung gemacht, das Albanien für uns jetzt kein besonders günstiges Land ist, wie wir es in Georgien, Armenien oder der Türkei festgestellt hatten. Die Preise liegen hier im Allgemeinen nahezu auf deutschem Niveau. Man kann oftmals günstig einkaufen, aber nicht grundsätzlich.
Nach dem Abendessen gingen wir nur wenige Schritte rüber zu unserem Wohnmobil und verbrachten dort den Rest des Abends.
Wetterprognose leider für den nächsten Tag zumindest bis Nachmittag nicht sehr gut, wobei wir heute trotz schlechterer Vorhersage relativ zufrieden sein konnten. Zumindest hatte es nicht geregnet.
Touren – Informationen
Gefahrene Kilometer: 122,7 km
Google – Landkarte: Vom Valbonatal in die Stadt Kukes
Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 42.079 585
Längengrad: 20.417 432









Na ja, Lammkopf hätte ich vmtl. (bis auf die Augen) auch gemocht, Zunge und Hirn ist was für mich 🧐😊🙋🏻♀️