Montenegro- Fünfundfünfzigster Tag, Montag, 15.06.2026
Zur „Kehle des Falken“
Vom Dorf Korita aus ging ein Wanderweg zu einem spektakulären Aussichtspunkt direkt an der albanischen Grenze. Nach dem Frühstück, das aus Temperaturgründen leider wieder drinnen stattfinden musste, fuhren wir mit dem Wagen zum Ausgangspunkt dieser als Höhepunkt der Panoramaroute 4 gepriesenen Wanderstrecke.
Die Wegweiser zeigten nur 2,4 km bis „Grlo Sokolov“, der „Kehle des Falken“. Es ging meist auf einem einfachen, unbefestigten und steinigen Wirtschaftsweg dahin, der zu jugoslawischen Zeiten täglich von Grenzsoldaten aus der Kaserne in Korita gegangen werden musste, um zum Posten an der Grenze zu Albanien zu gelangen.
Nach 45 Minuten waren wir da, ein grandioses Panorama bot sich, steil nach unten ins Tal abfallende Felswände und im Hintergrund die schneebedeckte Bergkette der albanischen Alpen.
Tief unter uns das albanische Dorf Tamara. An der kleinen Aussichtsplattform, an der früher der Grenzposten stand, waren Geländer angebracht, ansonsten keine Sicherungen vor dem Herabfallen in die Tiefe. Ein grandioser Anblick und toller Auftakt des heutigen Tages.
Zurück ging es auf einem anderen, schmaleren Weg und nach weiteren 45 Minuten hatten wir den Wagen wieder erreicht. Bevor wir Korita verließen liefen noch drei Gießkannen frisches Wasser in den Tank, dann ging es wieder zurück nach Podgorica.
Von einem großen Kreuz und der Bauruine
Unterwegs in einem kleinen Dorf machten wir noch Halt an einem großen Steinkreuz, das 2010 hier durch Spenden der Bevölkerung errichtet werde konnte. Davor eine Statue der auch hier unvermeidlichen Mutter Teresa und auf einem kleinen Balkon Richtung der 700 Meter unterhalb liegenden Talschlucht des Flusses Cjvena eine mit ausgebreiteten Armen dastehende Christusstatue.
Es ist erstaunlich, selbst wenn die Leute hier in den Bergen wenig haben, Geld für so etwas wird immer noch locker gemacht.
Auf der anderen Seite der Straße ein riesiges, metallenes Tor in Form des albanischen Doppeladlers und dahinter ein mit einer aufwändigen Mauer eingefasstes Grundstück. Hier war sonst nichts weiter, nur Bauschutt und Müll.
Dieses angefangene Bauwerk wurde 2016 von zwei nach Amerika ausgewanderten Bewohnern des Dorfes gestiftet, es sollte irgendetwas symbolisieren, ist aber nicht fertiggestellt worden. Damit reiht es sich in die Liste der vielen, vielen auf dem Balkan stehenden Bauruinen ein.
Zur Kathedrale nach Podgorica
Weiter ging die Fahrt hinunter nach Podgorica und je näher wir der Stadt kamen umso heißer wurde es. Vor einer Woche verzichteten wir aufgrund der großen Hitze in der Stadt auf eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten, jetzt konnten wir mit dem Wagen bequem dorthin fahren.
Die 2013 nach 20 Jahren Bauzeit fertiggestellte serbisch – orthodoxe Kathedrale ist ganz in weißem Stein gehalten und unten mit großen, grob behauenen Blöcken verkleidet. Das Innere reich verziert und komplett ausgemalt, ein beeindruckender Bau. Sie ist die Hauptkirche und neben der Milleniumbrücke das Wahrzeichen der Stadt.
Länger als zur Besichtigung der Kirche hielten wir uns nicht in der Stadt auf, das Thermometer zeigte schon wieder 32 Grad, für uns zu heiß.
Zum Felsenkloster Ostrog
Ein wichtiger Besuchspunkt in Montenegro war noch auf unserer Liste, das Felsenkloster Ostrog in der Nähe der zweitgrößten Stadt des Landes, Niksic. Wir wollten dahin nicht auf der neu gebauten Schnellstraße fahren sondern gemütlich über’s Land.
Das erwies sich jedoch als recht nervig, da hier überall quer über die Straße dieses unsäglichen Buckel eingebaut wurden, oft schlecht zu sehen und manchmal sehr hoch. Diese Hindernisse zur Geschwindigkeitsreduzierung sind zu einer richtigen Seuche geworden, nicht nur auf dem Balkan, auch in Frankreich und Spanien trifft man sie ständig an. Hoffentlich wird das niemals in Deutschland eingeführt.
Schon von Weitem konnten wir hoch oben an einer senkrechten Felswand das weiß leuchtende Kloster entdecken. Die Fahrt nach oben über zahlreiche Serpentinen, dann ein ziemlich leerer Parkplatz 100 Meter unterhalb. Von hier aus mussten wir über zahlreiche Treppen hinauf in den Klosterhof gehen. Erstaunlicherweise wurden weder Parkgebühren erhoben noch Eintrittsgelder.
Im Klosterhof lagen zahlreiche Menschen auf Decken und Luftmatratzen, wohl alles Pilger. Das Kloster ist eines der bedeutendsten Klöster der serbisch – orthodoxen Kirche und hier wird der Körper des 1671 verstorbenen Gründers, des heiligen Vasilje aufbewahrt. Deswegen kommen jedes Jahr tausende Gläubige hier her.
Jetzt war recht wenig los, wir konnten alles in Ruhe anschauen, auch einen Blick in die Grabkapelle des heiligen Vasilje werfen. Zu sehen in einem mit Glas abgedeckten Schrein sind aber nur bestickte Tücher über einer Rundung, was wohl der Kopf des Toten sein soll, und ein vollständig bekleideter Arm mit einer angedeuteten Hand daran. Das man deswegen hierher pilgert ist nicht in unserer Vorstellung vorhanden.
Nach Niksic zum Bier
Nach einem ausgiebigen Besuch ging es weiter in die Stadt Niksic, her wird das hauptsächlich in Montenegro ausgeschenkte Bier gebraut. Aber es gibt noch eine kleinere Craft Bier Brauerei, und da wollte ich hin.
Die Mammut Brauerei war nicht leicht zu finden, da sie eingebunden ist in das Hotel Onogost. In der Bar konnten wir dann aber doch noch ein gutes, sehr leckeres Bier genießen und auch sechs Flaschen unterschiedlicher Sorten mitnehmen.
Dann ging es hinaus aus der Stadt und letztlich über einen unbefestigten Weg auf eine schöne, recht einsam gelegene Wiese, wo wir unseren heutigen Tag beenden konnten. Hier war es sogar möglich, draußen zu essen und bis nach Sonnenuntergang vor dem Wagen zu sitzen, bis es kühl wurde und die Stechinsekten zu lästig.
Touren – Informationen
Gefahrene Kilometer: 107 km
Google – Landkarte: Route 4 dann wieder in den Norden
Gewanderte Kilomerter: 5 km
Komoot: Wanderung „Grlo Sokolov“, der „Kehle des Falken“
Stellplatz – Koordinaten
Breitengrad: 42.762 947
Längengrad: 18.897 786





























