Von Brasov in den Nebel

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Vierundzwanzigster Tag - Freitag, 27.08.2021

Der Himmel leuchtete blau, die Sonne schien durch`s Fenster, schlechtes Wetter adé. Über die Erledigung aller morgendlichen Arbeiten und das Einstellen des gestrigen Berichts war es bereits recht spät geworden, sodass wir nun endlich los mussten, um bei Sonnenschein noch etwas die Stadt zu besichtigen.

Selbe Prozedur wie gestern Abend, zur Hauptstraße gelaufen, ein Taxi angehalten und ins Zentrum gefahren. Wieder für 11 Lei. Beate hatte sich vorsorglich eine Strickjacke mitgenommen, die hing dann nur den ganzen Besuchstag um ihre Hüften.

Schwarze Kirche von Brasov
Schwarze Kirche von Brasov
Brasov – Stadt der Schwarzen Kirche

Zunächst galt der erste Besuch einer orthodoxen Kirche am Marktplatz. Die Kirchenfront eingebaut in die Häuserfassade der angrenzenden Stadthäuser, versehen mit einem schönen Turm. Schritt man durch die geöffnete Kirchenpforte befand man sich jedoch in einem Durchgang zum Hof, in dem dann erst die eigentliche Kirche stand. Eine interessante Konstruktion.

Weiter ging es über den Spiele- und Buchmarkt zur Schwarzen Kirche. Hier brauchten wir erst mal Eintrittskarten zu je 10 Lei. Die Kirche wird in Rumänien nicht wie bei uns über Steuern finanziert sondern muss sich ihre Gelder selber zusammensuchen. Daher kostet jede Kirchenbesichtigung Eintritt.
Im Inneren ist die Kirche, eine evangelische, wie wohl alle großen Kirchen in Siebenbürgen, recht schlicht gehalten, hochgotisch im Stil nach dem Wiederaufbau nach der Zerstörung und den Stadtbrand. Bedeutsam ist das unterschiedliche alte Kirchengestühl, jeder Berufsstand hat hier eigenes Gestühl und je nach Gesellschaftsstand an prädestinierter Stelle mit Blick auf Kanzel und Altar. So wurden damals die Gesellschaftsunterschiede deutlich, je reicher umso schöneres Kirchengestühl und bessere Sicht auf den Pfarrer.

Die Kirche hat auch eine der ältesten und größten orientalischen Teppichsammlungen der Welt

 

Schwarze Kirche Kronstadt
orthodoxe Kirche am Marktplatz.
Schwarze Kirche Kronstadt
Innenansicht
Schwarze Kirche Kronstadt
Teppichsammlung
Schmale Gasse in Kronstadt
Schnurgasse

Danach ging es weiter durch die Gassen der Stadt, durch die drittschmalste Gasse Europas, die Schnurgasse mit 1,11 m als geringster Breite, und hinauf zur Seilbahnstation auf den Tampa, den Hausberg Brasovs. Hier standen aber wieder unzählige Menschen in einer Schlange, sodass wir auf eine Bergfahrt verzichteten. An den Resten der alten Stadtmauer ging es zurück runter in die Stadt.
Jetzt noch einen Kaffee oder weil ich ja heute nicht fahren muss ein Bier und evtl. eine Kleinigkeit zu essen. Beides nahmen wir in einem Restaurant in der Fußgängerzone ein, gingen dann zurück zur Hauptstraße und mit dem Taxi zum Wohnmobil.

Kunst in Kronstadt
Kronstadt
Kronstadt
Kronstadt
Straßen in Rumänien
Schotterstraße
Zur Transfagarasan

Beim Mittagessen hatten wir diskutiert, wie es nun weitergehen sollte. Wir hatten in der letzten Ausgabe der Deutschen Alpenvereinszeitung über ein deutsches Ehepaar gelesen, dass ganz in der Nähe ein Naturschutzprojekt in den Karpaten mit aufbaut.
Nebenbei betreiben sie noch einen Reiterhof. Der ganze Artikel hörte sich gut an, evtl. Wandermöglichkeiten mit Bärensichtung.

Da wollten wir hin. Über eine abenteuerliche kleine und schmale, zum Teil unbefestigte Straße gelangten wir dorthin, doch der Artikel hatte mehr versprochen als tatsächlich war. Man war eigentlich nur an Touristen, die jetzt in der Hauptsaison ihre Reiterferien hier verbringen wollen interessiert, Wohnmobilfahrer passten da nicht.

Also weiter Richtung Transfagarasan – Hochstraße. Inzwischen hatte sich der Himmel leider arg bezogen, dicke graue Wolken und Richtung Berge sah es bedrohlich aus. Und genau da wollten wir hin.
Noch einmal nachgetankt und Richtung Berge eingebogen. Da es schon nach 18:00 Uhr war wurde es auch wieder Zeit, nach einem Stellplatz Ausschau zu halten. Was in meinem Reiseführer angeboten wurde kam nicht in Frage oder existierte gar nicht mehr, also wieder das bekannte Park4Night befragt.
Noch acht Kilometer die Serpentinenstraße hoch und man war da. Es ging bisher nur durch Wald, also nichts Spektakuläres. Je höher wir kamen, umso nebliger wurde es. Aha, deshalb wird die Transfagarasan auch „Straße der Wolken“ genannt.
Am beschriebenen Platz angekommen standen da ein mit Bienenkästen beladener LKW, ein Wohnwagen und ein PKW. Oh je, da ist kein Platz mehr für uns. Ich stieg aus, ein Mann kam auf mich zu, den ich in englisch fragen konnte, ob ein Übernachtungsstopp hier möglich wäre.
Natürlich, da seitlich ist noch Platz. Also das Wohnmobil von der Straße auf den Platz gesteuert, noch ein Glas Honig mit leckerer Wabe darin gekauft (ist ja eigentlich nur Wachs, schmeckt mir aber recht gut zusammen mit Honig auf dem Brot) und den Tag beschlossen.
Kalt war es hier, kalt und neblig. Keine schönen Aussichten für die Fahrt auf der spektakulärsten Passstraße Europas.

Gefahrene Kilometer: 130

Landkarte: Fahrt von Brasov zur Transfagarasan

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