Am nördlichsten Punkt Europas – fast

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Fünfzehnter Tag, Montag, 20.02.2023

Nordkap

Schnell entschieden – gut entschieden

Der Sturm schüttelte das Wohnmobil in der Nacht, der morgen schien auch nicht besser zu werden. Beate schlug vor, heute mal eine Wohnmobilreinigung vorzunehmen und so die Wartezeit hier in Skarsvag bis zur Wetterbesserung zu überbrücken. Zumal es auch noch in dicken Flocken zu schneien anfing. Doch es kam anders. Schon kurze Zeit später hörte es mit dem Schneefall auf, es wurde klarer und bereits während des Frühstücks zeigte sich etwas blauer Himmel. Gar nicht mal so schlechte Aussichten, doch wir beeilten uns nicht sonderlich. Kurz vor elf Uhr entschieden wir uns dann, doch heute schon die letzte Etappe zum Nordkap zu fahren. Alles wurde abfahrbereit gemacht, dann ging es los, drei Kilometer bis zum Abzweig der Nordkapstraße. Gestern Abend war sie auf, warum sollte sie heute nicht auch geöffnet sein. Wir kamen eine Minute nach elf dort an und es standen schon ein Bus und einige PKW vor der nun geschlossenen Schranke. Na, Glück gehabt, dann können wir ja gleich los. Die Schranke hob sich und der Konvoi setzte sich in Bewegung.

Fahrt zum Nordkap
Fahrt zum Nordkap

Ich bin so begeistert von den neuen Reifen am Wohnmobil, denn ohne die hätten wir keine Chance gehabt, die vereiste Straße hoch zu kommen. Die Anti-Schlupf-Regelung tat ihr Übriges, sodass wir flott voran kamen.

Goodrich All Terrain KO2

Wer also im Winter mal zum Nordkap will, „normale“ Winterreifen tun es hier nicht, entweder stattet man sie mit Spikes aus oder montiert Ketten. Oder aber man fährt Goodrich All Terrain KO2.

Goodrich All Terrain KO2
Unsere super Reifen

Der Straßenverlauf ging bergauf, bergab, geradeaus. Die Landschaft einsam, öde und weiß. Wir mussten Schwung behalten, zu langsam am Berg wäre das Ende. Aber es lief. Dann in der Ferne die weiße Kugel auf dem Panoramarestaurant am Kap. Nicht mehr weit, die Spannung stieg, leichte Erregung zeigte sich, gleich haben wir es geschafft, das Ziel unserer Reise ist nah.

Kurz vorher ein Kassenhäuschen. Obwohl seit 2021 das Parken auf dem Plateau kostenlos ist – Gerichte hatten hier Klägern Recht gegeben – wird einem der Besuch der Nordkaphalle für 30 Euro pro Person ans Herz gelegt. Nun, wenn man schon mal da ist, zahlt man halt den Eintritt.

Erst hinterher habe ich feststellen müssen, das es dies gar nicht gebraucht hätte. Zum Globus am nördlichsten Punkt kommt man auch so, für den Souvenirladen benötigt man kein Eintrittsticket und für das Restaurant ohnehin nicht. Bleibt noch der 15 minütige Film rund ums Nordkap und eine fragwürdige Halle tief im Fels mit ebenfalls einer Multivisionsschau. Man wird aber nirgends kontrolliert, zudem kann man die Eintrittskarten auch in der Eingangshalle am Schalter kaufen. Hier wird also geschickt das durch Gerichtsurteil entgangene Parkgeld dem bei Ankunft unwissenden Besucher in dieser Weise aus der Tasche gezogen. Nicht dumm, diese Norweger.

Fahrt zum Nordkap
Fahrt zum Nordkap im Konvoi

Am fast nördlichsten Punkt Europas

Wir parkten den Wagen. Der Wind blies eisig, sodass wir uns gut einpacken mussten, um draußen bestehen zu können. Dann gingen wir durch die große Halle, die der eisernen Weltkugel am nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes vorgeschaltet ist, traten nach draußen und näherten uns dem Endpunkt unserer Reise nordwärts. Wenige Menschen waren zu dieser Zeit hier oben. Zunächst das obligatorische Foto, dann der Tradition folgend der Nordkap-Champagner. Nun, ich gestehe, es war kein Champagner, dafür guter Fürst Metternich Sekt vom Schloss Johannisberg im Rheingau. Eisige Finger bekam man, schnell wieder Handschuhe an. Das Selfie beim Sekt mit der Weltkugel im Hintergrund zeigt uns nur verschwommen.

Das Gefühl, hier im Winter zu stehen, ist unbeschreiblich. Drei Jahre lang hatte ich dieses Projekt in meinen Gedanken bewegt, nun ist es Wahrheit geworden, Beate und ich stehen im Winter am nördlichsten Punkt Europas – nein, nicht ganz, denn der wirklich nördlichste Landpunkt liegt weiter ostwärts, die Felsspitze Kinnarodden, 68 Kilometer entfernt. Sie kann aber nur zu Fuß erreicht werden und ist zudem weniger spektakulär als das hoch über dem Meer liegende Schieferplateau des Nordkaps. Sei’s drum, hier ist der Sehnsuchtsort vieler Nordlandreisenden.

Wir stehen am Nordkap
Wir stehen am Nordkap
Nordkap
Nordkap

Ende mit Einsamkeit

Kaum hatten wir unsere Fotos gemacht, das Glas Sekt getrunken und waren in die warme Nordkaphalle gegangen, strömten sie auch schon heran. Busladungen von Touristen, die im Nu das Nordkapplateau überschwemmten. Es war kurz nach halb eins, der zweite, um 12:00 Uhr gestartete Konvoi war eingetroffen. Draußen dann acht neue Busse, vier davon spieen die Passagiere eines Schiffes der Hurtigrouten aus, das im Hafen von Honningsvag lag. Nun war an ein menschenleeres Bild nicht mehr zu denken.

In der Gewissheit, dass diese Invasion bald vorüber sein würde, tranken wir unseren Sekt leer, stöberten etwas im Souvenirladen herum und genossen es einfach, hier vor Ort zu sein.

Das Wetter besserte sich zudem zusehends, die Chancen auf Nordlichter am Abend stiegen.

Irgendwann dann nur noch drei Autos hier oben, ein PKW, dessen Insassen im Windschatten eines zusammengeschobenen Schneeberges ihr Zelt aufschlugen und ein weiteres Wohnmobil.

Früh wurde es dunkel, um vier Uhr schloss die Nordkaphalle. Hunger stellte sich ein und so gab es heute noch einmal Raclette. Wer kann das schon erleben, Raclette am Nordkap, unglaublich schön.

Endlich Nordlichter

Nordkap Nordlichter

Immer mal wieder schaute ich hinaus und siehe da, die ersten schwachen Nordlichter waren am Nachthimmel zu sehen. Beate packte ihre Fotoausrüstung zusammen und dann ging es hinaus.

Ein Wohnmobil am Haken eines Zugfahrzeuges erreichte den Parkplatz, und als ich die deutschen Kennzeichen sah, sprach ich die Leute gleich an und sofort waren wir in gutem Kontakt. Gleich wurde mir ein Bier angeboten, doch erst mussten wir die unglaublichen Himmelserscheinungen intensiv fotografieren. Es war ein unbeschreiblichres Glücksgefühl, hier in der Nacht am Nordkap die Nordlichter zu sehen. Beate war im siebten Himmel, ich direkt bei ihr.

Dann stießen wir zu den anderen Deutschen, Jungs aus der Nähe von Köln, die mit einem gemieteten Wohnmobil unterwegs waren. Bier wurde angeboten und wir standen um ein kleines Lagefeuer herum. Eine nette und entspannte Atmosphäre. Lange Zeit noch verbrachten wir draußen am Feuer und mit Fotografieren der unglaublich schönen Nordlichter, ehe es uns dann viertel vor zehn doch zu kalt wurde und wir uns in unser kuschelig warmes Wohnmobil zurück zogen.

Gefahrene Kilometer: 16 km

Landkarte: Skarsväg – Nordkap

Nordkap Nordlichter
Nordkap Nordlichter
Nordkap Nordlichter
Nordkap Nordlichter
Nordkap Nordlichter
Nordkap Nordlichter
Nordkap Nordlichter

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Claudia

    Wahnsinnig toll. Habt ihr gut gemacht. !!
    Liebe Grüße und alles gute.

    Claudia

    1. Beate

      Danke und viele Grüße zurück

  2. Rita und Josef Glasenhardt

    Beeindruckende Bilder von den Polarlichtern, da schmeckt der Sekt, es muss nicht immer Champus sein.

  3. Ruth

    Tolle Bilder mit den Nordlichtern 🤩 😽

  4. Schmidt

    Gratulation, toller Bericht.

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