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Mala-Rijeka-Viadukt

Unterwegs mit Titos Gebirgsbahn

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Montenegro- Neunundvierzigster Tag, Dienstag, 09.06.2026

Im Zug unterwegs von Kolasin nach Podgrorica

Halb zehn fuhren wir vom Campingplatz weg und die knapp zwei Kilometer zum Bahnhof in Kolasin. Dort parkten wir den Wagen und ich ging schon mal zum Bahnsteig, um zu sehen, ob der Zug fahrplanmäßig kommen wird. 

Tatsächlich saßen hier schon etliche Fahrgäste am Bahnsteig und im Warteraum. Kurz vor zehn Uhr holte ich Beate und wir warteten nun gemeinsam auf die Ankunft des Zuges. Irgendwie bekannt kam es uns vor, dass zur fahrplanmäßigen Ankunftszeit kein Zug da war. 

Und auch fünf und zehn Minuten später nicht. Erst um viertel nach zehn, also 16 Minuten später als im Fahrplan angegeben rollte der Zug von Norden her kommend in den Bahnhof ein.

Zwei Schnellzugwagen bespannt mit einer Elektrolok hielten am Bahnsteig. Die Wagen waren über und über mit Graffiti bemalt, also nicht nur ein westeuropäisches Problem. Das Innere der Wagen versetzte uns zurück in unsere Jugendzeit, als die Deutsche Bahn noch Abteilwagen einsetzte. 

 

 Hier die schönen nostalgischen, mit rotem Stoff bezogenen Sitze im Sechserabteil mit Schiebetür. Einzig die zu öffnenden Fenster fehlten, auch im Gang nur komplett geschlossene Scheiben. Jedes Abteil war mit mindestens einer Person besetzt, immerhin kam der Zug ja aus der montenegrinischen Küstenstadt Bar.

Die Eisenbahnstrecke durch das Dinarische Gebirge wurde Mitte des 20. Jahrhunderts erbaut und galt zu ihrer Zeit als bedeutendster Eisenbahnbau nach dem Zweiten Weltkrieg und teuerstes Infrastrukturprojekt der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien

Sie ist heute Serbiens kürzeste Anbindung an eine Hafenstadt und die einzige internationale Personenverkehrsverbindung Montenegros. Die Bahnstrecke verbindet die serbische Hauptstadt Belgrad mit dem montenegrinischen Bar und bekam nach ihrer Fertigstellung den Spitznamen „Titos Gebirgsbahn“.

In dunklen Tunneln

Wir fanden noch Platz in einem mit drei Personen besetzten Abteil und schon ging die Fahrt weiter.

Der Streckenabschnitt von Kolasin nach Podgrorica gilt als eine der spektakulärsten Eisenbahnfahrten. Entsprechend gespannt waren wir, saßen am Fenster in Fahrtrichtung rechts und hielten die Kamera bereit.

Doch dann folgte Tunnel auf Tunnel, kaum wurde es wieder hell folgte der nächste dunkle Abschnitt. Spektakuläre Aussichten hatten wir noch nicht. Doch dann erhoben sich die ersten Bergmassive aus tiefster Schlucht unter uns, ich zückte die Kamera, doch bevor ich auslösen konnte wieder ein Tunnel. 

So ging das eine ganze Weile weiter, doch schließlich nur spektakulärste Sicht tief hinunter in die Schlucht. Unten die Straße und der Fluss Moraca, der diesen „Grand Canyon Europas“ geschaffen hat. Eine unglaublich schöne Bergwelt eröffnete sich vor uns, wir hoch oben in den Bergen, die Autos tief unten im Tal.

Viele kleine Haltestellen wurden angefahren, bei denen überhaupt nicht erkennbar war, wie man dorthin kommt, um den Zug zu besteigen.

Dann kam der Höhepunkt der Fahrt, die Überquerung des 198 Meter hohe Mala-Rijeka-Viadukts, der höchsten Eisenbahnbrücke Europas. Eine Frau im Abteil machte uns darauf Aufmerksam, wann wir einen Blick auf die Brücke werfen könnten, da der Zug nach Überquerung eine mehr als 90 Grad Kurve fährt und man dann wunderschön die Brücke sehen könnte.

Ankunft in Podgorica

Der Zug erreichte langsam aber sicher die Talsohle der Schlucht und fuhr nach 90 Minuten Fahrt in den Bahnhof von Podgorica, der Hauptstadt Montenegros, ein.

Wir hatten jetzt Zeit bis zwanzg vor sechs uns die Stadt anzuschauen, doch ich wusste schon vorher, dass es hier nicht viel Interessantes zu sehen gibt. So gingen wir bei ziemlicher Hitze zunächst zur Touristeninformation und mit einem Stadtplan ausgerüstet erstmal zum Parlamentsgebäude und dem daneben liegenden Präsidentenpalast. 

Beide Gebäude wenig repräsentativ, der Bau der montenegrinischen Zentralbank direkt daneben machte schon mehr her.

Wir begaben uns in den alten Teil der Stadt, um hier ein Lokal auszusuchen, doch es war so heiß, dass wir direkt das nächstgelegene Restaurant ansteuerten und hier ein Bier und eine Kleinigkeit zu Essen zu uns nahmen. 

Die schwüle Wärme von fast 34 Grad machte uns zu schaffen, viel Lust, weiter durch die Straßen zu laufen hatten wir nicht. So ging es alsbald in ein nächstes Café und danach noch in einen kleinen Supermarkt zum Einkaufen.

Zwei Stunden hatten wir noch bis zu Abfahrt, davon verbrachten wir 30 Minuten im Schatten vor dem Bahnhof auf einer unbequemen Bank und den Rest davon am Bahnsteig, wo sich schon viele Reisende für den Zug zurück Richtung Bar eingefunden hatten.

Rückfahrt und Tagesende

Der Zug kam diesmal pünktlich, auch wieder nur zwei Wagen hinter einer Lokomotive, sodass jedes Abteil gut gefüllt war. Einen Fensterplatz konnten wir nicht mehr finden, sodass ich in den zweiten Wagen ging, der allerdings die Abteile rechts zur Fahrtrichtung hatte, man nun auf der Rückfahrt aber links herausschauen musste, um noch einmal die fantastische Bergwelt zu sehen.

Auch wieder recht pünktlich um kurz nach 19:00 Uhr erreichte der Zug Kolasin, wo noch unser Wohnmobil am Bahnhof wartete.

Wir parkten kurz um, da wir hier die Nacht verbringen wollten. Hunger hatten wir keinen mehr, nur noch ein Gläschen Wein, dann wurde es auch bald Zeit, das Bett aufzusuchen.

Touren – Informationen

Gefahrene Kilometer: 1,8 km

Gefahrene Bahnkilometer: 129 km

Gelaufene Kilometer: 5,4 km

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