Viel Steine gab`s und hohe Klippen

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Fünfunddreißigster Tag, Mittwoch, 15.06.2022

Ziemlich lautes Frauengetratsche um halb acht am Morgen weckte uns. Die ersten Schwimmerinnen waren da, war doch das Hafenbecken ein beliebter Ort für Männlein und Weiblein sich ins kalte Nass zu stürzen. Nicht immer lediglich mit Badehose oder -anzug, meist mit ganzkörper Gumminanzug, aber immerhin mutig bei nicht mehr als 15 Grad Wasser- und 17 Grad Lufttemperatur. Und tatsächlich zeigte sich heute morgen auch der Himmel aufgelockert und die Wolken ließen einige Sonnenstrahlen durch. Heute war wieder ein straffer Besuchstag geplant.

Es ging zurück auf den Wild Atlantic Way Richtung Süden nach Gort zum dortigen „Cool Park“, einem Landschaftspark der Schriftstellerin Lady Gregory.
Wir drehten eine Runde im schönen „Walled Garden“ mit einer riesigen Blutbuche, die als „Autograph Tree“ bezeichnet wird, weil sich hier viele berühmte Schriftstelle, u.a. George Bernhard Shaw, in der Baumrinde mit Namen verewigt haben. Ist aber nach den vielen Jahrzehnten fast nichts mehr zu lesen.

Rotbuche

Die kleinen, engen Sträßchen führten uns weiter durchs Land, bis wir plötzlich einen hohen runden Turm mit spitzer Haube sahen, umgeben von einem Friedhof und einer Reihe zerstörter alter Steinhäuser. Wir bogen ein, konnten den großen Schotterparkplatz aber nicht nutzen, da er mit Höhenbegrenzungsbalken versehen war. Parkt man halt am Straßenrand, wenn das so gewollt ist?

Es handelte sich um die alte Klosteranlage Kilmacdaugh mit dem hohen und leicht schiefen Rundturm aus dem 12. Jahrhundert. Alle Gebäude des ehemaligen Klosters wurden zerstört, nur der als Zufluchtsort für die Mönche gegen Angreifer dienende Rundturm blieb unbeschädigt. Wir schlenderten über den alten Friedhof mit seinen schönen keltischen Kreuzen, auf dem aber auch in jüngster Zeit noch Verstorbene beigesetzt worden sind. Wie auch letztes Jahr auf dem Balkan festgestellt, gibt ers auch hier keine „Friedhofsordnung“, die Gräber werden auf der Wiese da angelegt, wo noch Platz ist, egal ob direkt am Nachbarn oder schräg oder versetzt weiter weg. Manche sind mit grünem Glasgranulat bestreut, soll wohl wie Rasen aussehen. Da ist der aufgelegte Kunstrasen dann schon besser.

Klosteranlage Kilmacdaugh
Klosteranlage Kilmacdaugh
Klosteranlage Kilmacdaugh
Klosteranlage Kilmacdaugh

Weiter ging die wilde Fahrt zum Caherconnell Steinfort. Diese von Archäologen ausgegrabene Anlage zeugt von ersten Besiedlungen 3700 vor Christi bis ins 16. Jahrhundert. Wir besichtigten die wieder hergestellten Reste der Anlage, einer kreisrunden Schutzmauer aus Feldsteinen, in deren inneren Bereich zwei Wohnhäuser und Viehstallungen standen. Im Außenbereich waren immer noch Archäologen mit weiteren Ausgrabungen beschäftigt.

600 Meter weiter lag der Parkplatz zum Besuch des Poulnabrone Dolmens, einer Grabanlage aus lange vergangenen Zeiten. Leider hatte sich bis jetzt das schöne Wetter nicht durchsetzen können und es fing ganz leicht an zu regnen.

Caherconnell Steinfort
Caherconnell Steinfort
Poulnabrone Dolmen
Poulnabrone Dolmen

Ab jetzt fuhren wir durch die ganz und gar unwirtliche Karstlandschaft des Burren. Wohin das Auge blickte nur Steinwüste, es sah aus, wie eine riesige Betonplatte, die in kleine Stückchen zerbrochen ist. Überall nackter Kalkfels. Im Hintergrund türmte sich wie ein riesiger Trümmerberg aus Steinbrocken das gewaltige Massiv des Burren auf. Wäre da nicht hin und wieder etwas grün zwischen den Steinen, glaubte man sich auf dem Mond.

Burren
Burren

Es ging die Küstenstraße entlang durch kleinere Ortschaften, bis wir den Black Head umrundet hatten, die Spitze der Landzunge, auf der wir fuhren. Eine Menschenansammlung und Fahrzeuge am Straßenrand machten uns neugierig auf das, was es da zu sehen gab. Eine recht steil abfallende Küste und wild schäumendes Meer galt es zu fotografieren und gründlich in Augenschein zu nehmen. Nach einiger Zeit des Aufenthalts ging es weiter, dem letzten Ziel des heutigen Tages entgegen.

Burren
Burren
Burren

Den über 200 Meter aus dem wilden Atlantik ragenden „Cliffs of Moher“ galt unser Tagesabschlussbesuch. Hier waren mal wieder 20 € Parkgebühr und Eintritt für zwei Personen zu entrichten. Das ganze Gebiet ist für den Massentourismus hergerichtet mit Souvenirläden und Visitor Center. Dazu breite Wege und sichere Absperrungen zur Klippenkante hin, damit nur ja niemand hinunter fällt. Wir liefen den Klippenweg entlang bis zu einem Abschnitt, an dem die Absperrungen endeten und man freien Blick hinunter auf das brodelnde Meer hatte. Nach 17:00 Uhr leerte sich die Szenerie und wir waren fast allein auf dem Weg oberhalb der Klippen. Die Sonne zeigte sich gegen Abend und schuf schöne Lichtstimmungen.

Cliffs of Moher
Cliffs of Moher
Cliffs of Moher
Cliffs of Moher

Zurück auf dem Parkplatz sahen wir dort mehrere Wohnmobile im Übernachtungsmodus. Eine Überprüfung der Unterlagen ergab, dass man hier tatsächlich auch über Nacht stehen darf, wofür uns wir kurzerhand entschlossen, da es schon nach 18:00 Uhr war und wir für heute ohnehin genug gefahren waren.

Zum Abendessen gab es diesmal ein typisch irisches Gericht aus der Region Ulster: Boxty mit Black Bacon. Boxty ist ein einfacher, aus Kartoffelteig hergestellter Kartoffelpuffer, der in der Pfanne zubereitet und mit gebratenem Bacon serviert wird. Dazu geb es ein leckeres Harp Lager aus Nordirland.

Gefahrene Kilometer: 118 km

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ruth

    Na son Kartoffelpuffer mit Speck und nen leckeres Bier dazu wäre nicht übel 🤗😜

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