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Bilderbuch Schweiz Siedlung Aesch

Kleine Auszeit in der Schweiz

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Erster Tag, Freitag, 18.09.26

Auf direktem Weg nach Schachen

Nachdem wir unseren Campingbetrieb im Garten abgeschlossen hatten und nun erst wieder im nächsten Jahr öffnen wollen, bestiegen wir unser Wohnmobil und fuhren Richtung Schweiz zu unserem Sohn.

Da es leider in Deutschland überall Straßensperrungen gibt, die oft monatelang dauern, mussten wir diesmal einen Umweg fahren, um unser Nachbarland Schweiz zu erreichen. Einen wirklichen Grenzübergang überquerten wir diesmal nicht, plötzlich sahen wir Schweizer Verkehrsschilder und Autos mit den entsprechenden Landeskennzeichen – und schon waren wir in der Schweiz.

Den weiteren Weg kannten wir. Auf der Autobahn ging es an Zürich vorbei und mit Blick auf das mächtige Massiv des Pilatus zur Rechten und dem spitzen Gipfel des Rigi zur Linken rollten wir durch Luzern und weiter bis zum Wohnort unseres Sohnes mit Familie in Schachen.

Am Abend traf noch unser zweiter Sohn ein, da ich mit beiden eine Klettersteigtour am nächsten Tag geplant hatte.

Zweiter Tag, Samstag, 19.09.26

An steilen Feldwänden hoch hinauf – der Tälli - Klettersteig

Früh um 06:15 Uhr fuhren wir los Richtung Süden in Richtung Innertkirchen und dann ostwärts nach Gadmen. Dort ging es dann mit der Tällibahn hinauf zur Tällihütte und zu Fuß weiter zum Einstieg in den Tälli – Klettersteig, den ersten Klettersteig der Schweiz.

Viereinhalb Stunden mit Pause waren wir unterwegs, dann hatten wir den Gipfel auf 2598 Metern erreicht. Der Rückweg gestaltete sich sehr lang und schwierig und erforderte ungeheure Kondition.

Nach insgesamt sieben Stunden Fußmarsch und Kletterei erreichten wir ziemlich erschöpft aber glücklich und zufrieden wieder die Tällihütte und löschten erstmal den Durst mit großen Gläsern Weizenbier.

Hinunter ging es wieder mit der Seilbahn und dann in anderthalb Stunden Fahrt zurück nach Schachen.

Ein herrlicher Tag mit dem besten Wetter, dass man haben konnte, näherte sich dem Ende.

Dritter Tag, Sonntag, 20.09.26

Rauf auf den Zuger Berg und Abflug

Aufgrund des wunderschönen Sonnenwetters wollte unser älterer Sohn noch einmal mit seinem Paragliding Schirm eine Flug vom Zuger Berg oberhalb der Stadt Zug machen.

 

So fuhren wir gemeinsam mit ihm dorthin, fanden zum Glück an diesem Sonntag noch zwei kostenlose Parkplätze und konnten dann in einer schönen, anderthalbstündigen Wanderung auf der Sonnenseite des Berges hinauf zum Gipfel gelangen.

 

Hier lag der Startplatz der Paragliderpiloten und entsprechend viele waren hier und bereiteten ihre Schirme zum Start hinunter Richtung See vor.

 

Nachdem auch unser Sohn den „Abflug gemacht“ hatte, nahmen wir die Seilbahn zurück ins Tal. Dort trafen wir uns dann wieder, verabschiedeten uns nun erneut und für längere Zeit und fuhren dann zurück nach Schachen, während er den Heimweg ins Hessische antrat.

 

Den Abend verbrachten wir mit einer Freundin aus unserer Heimat Stetten in Luzern.

Vierter Tag, Montag, 21.09.26

Auf dem Weg zum Sustenpass

Nach dem Frühstück und Verabschiedung der Freundin machten auch wir uns auf, zunächst noch zur Arbeitsstelle unseres Sohnes, um auch ihm noch adé zu sagen.

 

Dann ging es von Kriens über schmale Landstraßen durch herrliche Schweizer Landschaft und vorbei an zahlreichen Seen zum smaragdgrün leuchtenden Lungerner See.

 

Hier trafen wir wieder auf die Strecke, die wir schon einmal gefahren waren und die uns auch am Samstagmorgen zum Ziel gebracht hatte. Ein kurzer Stopp an einem Aussichtspunkt mit Blick auf den See war hier Pflicht. Und wir waren nicht die Einzigen – zahlreiche Wohnmobile und PKW machten es uns gleich.

 

Dann ging es weiter über Meiringen und vorbei an der Tällibahn, die uns zwei Tage zuvor hinauf auf den Berg gebracht hatte. Noch einmal ein Blick nach oben zur Tälliwand, die ich mit den Jungs durchstiegen hatte, dann begann der Anstieg hinauf auf den Sustenpass.

Übernachtung auf der Passhöhe

Oben auf über 2500 Metern angekommen parkten wir den Wagen, nur wenige Fahrzeuge standen hier auf dem großen Parkplatz.

 

Eine kleine Runde in der Bergwelt wollten wir noch wandern, so zogen wir Wanderschuhe an und erklommen die umliegenden Hügel.

 

Gegen halb fünf waren wir zurück, nun war es Zeit für ein gutes Glas Wein in phantastischer Umgebung.

 

Doch zunächst parkte ich den Wagen um, etwas weiter von der Straße weg in eine schöne Parkbucht unterhalb des großen Parkplatzes. Hier standen wir inmitten großer Felsen mit Blick auf einen See und die vergletscherten Berge.

 

Nicht allzu lange konnten wir draußen bleiben, bald wurde es kühl und plötzlich zogen Wolken aus dem Tal zu uns herauf und hüllten alles in dichten Nebel.

 

 

Zum Abendessen gab es typisch Schweizer Käsefondue, dann noch ein wenig in den Fernseher geschaut und nicht allzu spät nach drei anstrengenden Tagen ins Bett gelegt.

Fünfter Tag, Dienstag, 22.09.26

Hängebrücke über den Fluss

Wir ließen uns Zeit heute morgen, die Sonne leuchtete vom klarblauen Himmel und ließ die umliegenden Berge in hellem Licht erstrahlen.

 

Erst sehr spät verließen wir unseren ruhigen Stellplatz und fuhren die Passstraße nun wieder hinunter. Sie ist nach Osten weit weniger kurvenreich als beim Aufstieg von Westen kommend.

 

Es ging hinunter nach Wassen und dann durch ein unglaubliches Straßengewirr in Richtung Norden, nach Altdorf. Hier waren wir schon mal, doch wenn man in der recht kleinen Schweiz umherreist kommt man zwangsläufig immer mal wieder an Orte, an denen man schon mal war.

 

Die „Ryyssboogäbriggä“, eine Hängebrücke über den Fluss Reuss war hier unser Ziel, nicht sehr spektakulär und nur über die Autobahnraststätte „Gotthard“ erreichbar.

 

Daneben eine Ort der Stille, ein würfelförmiger Bau mit bunten Glasfenstern, die aus tausenden zerbrochenen grünen und braunen Flaschen bestehen. Im Inneren nur ein großer Bergkristall in einer Vitrine.

 

Hier könnte man Ruhe und Besinnung finden, wenn man nicht den Lärm der Autobahn hören würde.

Auf den Spuren Wilhelm Tells

Es ging nun ins Zentrum von Altdorf, wo auf dem Marktplatz das bunte Türmli steht und davor die Statue des Wilhelm Tell mit seinem Sohn Walter.

 

Dieses Denkmal von Richard Kissling ist das bekannteste Denkmal der Schweiz und auch die Darstellung von Tell, die das Erscheinungsbild des Schweizer Nationalhelden geprägt hat. Doch heute weiß man, dass er nur ein Mythos ist.

 

Im „Türmli“ ist eine kleine Ausstellung mit der Geschichte Wilhelm Tells und des Denkmals zu sehen, dann ging es weiter etwas durch den Ort zurück zum Wagen.

 

Es ging hinaus durch den Vorort Bürglen, der „Heimat“ Wilhelm Tells mit einem weiteren Denkmal und einem eigenen Museum, und weiter Richtung Klausenpass.

 

Die Straße wurde teilweise recht eng, man musste bei Gegenverkehr ein wenig mehr aufpassen als sonst.

Wanderung zum Wasserfall

In einer 180° Kehre hielten wir auf einem kleinen Parkplatz an, um von hier eine Wanderung zum Stäubi – Wasserfall zu unternehmen.

 

Etwa drei Kilometer waren es bis dorthin, es ging durch schönen Wald und sattgrünen Almen hinauf in die winzige Siedlung Aesch.

 

Hier fanden wir eine Bilderbuchlandschaft vor, typische Schweizer Berghütten und im Hintergrund majestätische Berge und ein tosender, von hoch oben herabstürzender Wasserfall.

 

Das Tal war hier zu Ende, weiter ging es nicht, nur über die weit droben sichtbare Klausenpassstraße kann man diesen Bergriegel überqueren.

 

Der Rückweg war leichter, es ging fast nur sanft bergab und bald schon hatten wir den Wagen wieder erreicht.

Raclette auf dem Pass

Nun ging es die enge Passstraße weiter bis hinauf auf 1948 Metern höhe. Die majestätischen Berge ringsum waren beeindruckend.

 

Oben auf der Passhöhe auf einem kleinen Schotterparkplatz konnten wir den Tag beenden.

 

Mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern genossen wir in der Sonne sitzend den herrlichen Ausblick in diese grandiose Bergwelt.

 

Die hier noch parkenden Autos und Wohnmobile verschwanden nach und nach und dann waren wir völlig allein hier oben in den Schweizer Bergen.

 

Zum Abendessen gab es Raclette, genau wie gestern das Fondue auf der Passhöhe auch hier etwas, was nur wenige erleben können.

Sechster Tag, Mittwoch, 23.09.26

Der lange Weg zum nächsten Ziel

Wir verließen unseren absolut ruhigen Übernachtungsplatz bei herrlichem Sonnenschein. Viele Wanderer machten sich schon fertig, in dieser phantastischen Berglandschaft einen der zahlreichen Wanderwege zu begehen.

 

Wir mussten leider Abschied nehmen und fuhren nun die Klausenpassstraße hinunter.

 

Kurz hinter der Passhöhe lag am linken Fahrbahnrand das historische Zielhaus, in dem bei den ehemaligen Bergrennen der 30er Jahre die Zeiterfassung erfolgte und das benötigte Personal rund um das Rennen Platz fand.

 

Das Häuschen wurde 1998 renoviert und eine Ausstellung eingerichtet, doch derzeit ist die Eingangstür verrammelt und niemand kann hinein. Wahrscheinlich fehlt auch hier wie bei uns das Geld, diese Gebäude und Einrichtungen zu erhalten.

 

Eine Wiederauflage erlebte dieses historische Bergrennen 2013 und auch 2027 soll im September erneut mit alten Rennwagen dieses Ereignis wiederholt werden. Sicher ein interessantes Erlebnis.

 

Es ging weiter und wir erreichten Urnerboden, eine kleine Ortschaft mit Käserei, bei der wir uns mit etwas Schweizer Käsespezialitäten eindeckten.

 

Es folgte ein weiterer Abschnitt mit vielen Kehren, ehe wir ganz unten in einem breiten Tal waren.

 

Über die Ortschaften Glarus Süd und Glarus Nord ging es immer Richtung Appenzell. In der Ferne sahen wir im Sonnenlicht den höchsten Gipfel der Appenzeller Alpen leuchten, den Säntis.

 

Durch wundervolle Landschaft ging es hinein nach Appenzell und weiter nach Wasserauen am Ende eines Tales.

Zur Instagramhütte Berggasthaus Aerscher

Von Wasserauen aus erreicht man entweder mit der Luftseilbahn oder zu Fuß in einer anstrengenden Wanderung die hoch oben liegende Ebenalp.

 

Wir zogen es jetzt am Nachmittag vor, mit der Seilbahn hinauf zu fahren und zu Fuß wieder hinunter zu wandern.

 

Wie für alles in der Schweiz mussten wir auch her für die Seilbahnfahrt tief ins Portemonnaie greifen, doch die Fahrt mit der Gondel über zwei steile Felswände war beeindruckend.

 

Von der Bergstation ging es hinunter zur Bergkirchlihöhle, in der schon zu frühester Menschheitsgeschichte im Sommer Leute wohnten und im Winter Bären ihren Schlaf abhielten.

 

Man konnten durch die Höhle wandern und am anderen Ende nach wenigen Schritten das Berggasthaus Aerscher erreichen, eine direkt an die steil aufragende Felswand gebaute Berghütte.

 

Diese Hütte gilt als die mit der spektakulärsten Lage in den Bergen und ist deshalb auch oft in social media abgebildet. So rechnete ich denn auch mit viel mehr Besuchern als an diesem späteren Nachmittag auf der Terrasse saßen.

 

Wir fanden einen guten Platz, bestellten zwei Bier und eine kleine Jause und genossen Ausblick und den Aufenthalt.

Ab ins Nachtquartier

Nach einer Weile traten wir den Rückweg an, zu Fuß ging es den Berg hinunter. Unablässig mussten wir über Stufen absteigen, eine sehr unschöne Art des Wanderns und absolut knieunfreundlich.

 

Nur selten ging es auf normalem Weg entlang, dann wieder Stufe um Stufe hinunter, es schien nicht enden zu wollen.

 

Doch ca. zwei Stunden später hatten wir das Wohnmobil wieder erreicht, der anfangs übervolle Parkplatz hatte sich stark geleert

.

Leider scheint der Kanton Appenzell im Gegensatz zum Kanton Uri weniger wohnmobilfreundlich zu sein, da fast überall ein Camping- und Übernachtungsverbot besteht. So mussten wir noch knapp 10 Kilometer fahren, um in der Nähe des Bahnhofs einer kleinen Ortschaft einen Parkplatz für eine ruhige Nacht zu finden.

Siebter Tag, Donnerstag, 24.09.26

Kurzer Stopp an der Sperre Stoss

Die Nacht war ruhig, der morgendliche Himmel leider nicht mehr so herrlich blau wie die vergangenen Tage.

Eigentlich wollten wir noch nach St. Margarethen fahren und dort das Festungswerk Heldsberg anschauen, doch leider ist dieses Fort nur am Samstag geöffnet.

Also gaben wir direkt unser Zuhause als Endziel ein, doch auf google maps sah ich an der vor uns liegenden Straße ein Festungswerk verzeichnet, bestehend aus vier Bunkern und einer Sperranlage aus betonierten Drachenzähnen. Diese Anlage bei der Ortschaft Stoss wurde in den 30er Jahren gebaut und sollte einen feindlichen Durchbruch ins Schweizer Hinterland von der Rheinebene aus verhindern.

Ich stoppte den Wagen und während Beate sitzen blieb inspizierte ich die Bunkeranlagen. Einer dieser Geschützstellungen ist verkleidet wie ein Bauernhaus und somit nicht als befestigter Bunker erkennbar.

Die Befestigungsanlage kam nie zum Einsatz, da auch Hitler einen Angriff auf die neutrale Schweiz vermied. Heute kann sie auf Anfrage im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Heimreise

Danach ging es auf direktem Weg durch St. Gallen Richtung Konstanz und von dort die bekannte Strecke zurück nach Stetten.

Wieder hatten wir eine wunderbare, wenn auch nur kurze Wohnmobilreise unternommen und dabei viel erlebt und gesehen.

Gefahrene Kilometer 760 km

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