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Blick in die Vogesen

Kurztrip ins Elsass – unterwegs auf der Route des Cretes

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Erster Tag, Donnerstag, 20.08.26

Besuch in Obernai

Eigentlich hatten wir vor, vom 20. – 26.08. eine Wanderwoche in Bramberg am Wildkogel in der Nähe von Zell am See zu verbringen, doch der Wetterbericht mit täglicher Regenvorhersage ließ uns von der weiten Fahrt dorthin absehen.

Doch eine kurze Reise in dieser Zeit musste sein, also wählten wir das nicht so weit entfernte Elsass aus, das immer wieder einen Besuch wert ist.

Ich hatte eine Route von Nord nach Süd über die Vogesenhochstraße „Route des Crêtes“ ausgewählt, die von Sainte Marie aux Mines bis nach Cernay immer auf der Höhe von knapp 1000 Metern entlang führt.

Zunächst aber stand das sehenswerte Städtchen Obernai, früher, als es noch zu Deutschland gehörte freie Reichsstadt Oberehnheim. Seit über 100 Jahren ist es nun, abgesehen von einer kurzen Besatzungszeit während des Zweiten Weltkrieges, französisch.

Nach einer wunderschönen Fahrt durch den Schwarzwald erreichten wir den Rhein und überquerten hier die Grenze zu Frankreich. Es ging durch viele kleine Ortschaften, die fast alle ihren alten deutschen Namen behalten haben, ins schöne Städtchen Obernai. Hier war gerade der donnerstägliche Markt in der gesamten Altstadt, weswegen leider die meisten der wunderschönen Häuser nur zur Hälfte zu sehen waren, der untere Teil wurde meist durch Marktschirme verdeckt.

Wir schlenderten durch die engen, mit Marktständen gefüllten Gassen und kehrten dann in einem kleinen Café für eine Pause ein.

Einkauf und hinauf auf die Berge

Nun galt es erstmal uns mit französischen Leckereien aus einem Supermarkt einzudecken. Im E. Leclerc etwas außerhalb des Zentrums wurden wir fündig. Dieser Markt, egal wo in Frankreich, ist einfach riesig, man wird vom Angebot erschlagen. Hier gibt es alles, was man braucht oder nicht braucht, und dass nicht nur einmal sondern in Massen.

Ein Kilo Crevetten für das Abendessen wanderten in unseren Einkaufswagen, dazu noch jede Menge der leckersten Käse und gutes belgisches Bier.

Danach ging es hinaus auf’s Land, vorbei an wunderschönen Dörfern in traumhafter Landschaft.

Sainte Marie aux Mines erreichten wir eine dreiviertel Stunde später, ein nicht sehr ansprechender Ort mit anscheinend viel Leerstand. In dieser Gegend existierten früher Silberminen, doch der Bergbau ist zum Erliegen gekommen. Man sieht dem Ort aber seine Vergangenheit an.

Auf einer Picknickbank mit der besten Aussicht des Tages genossen wir die Meerestiere bei einem guten Glas Wein und frischem Baguette. Allerdings wurde es alsbald kühl, sodass wir uns bei Einbruch der Dunkelheit ins Wohnmobil zurückzogen.

Von hier ab ging es bergauf, über mehrere Kehren hinauf auf den Col des Bagenelles auf 903 Metern Höhe. Dort oben befindet sich ein großer Parkplatz, auf dem auch das Übernachten mit Wohnmobilen gestattet ist. Von hier oben hat man einen fantastischen Blick hinunter ins Tal Richtung Sainte Marie aux Mines. Mehrere Wohnmobile standen schon hier, wir konnten noch einen schönen Platz am Rand mit Blick ins Tal finden und bereiteten dann die Crevetten zu.

Zweiter Tag, Freitag, 21.08.26

Zum Col de Calvaire

Die Sonne ging hinter einem sehr wolkenbedeckten Himmel auf. Die Wettervorhersage für heute hatte allerdings erst gegen Abend Regen vorausgesagt. So frühstückten wir im Wagen und fuhren dann zunächst wenige Kilometer zum Aussichtsfelsen Rocher du coq de Bruyère, allerdings hatte man von hier keine bessere Aussicht ins Tal als vom Parkplatz. 

Interessant war jedoch der eingeschlagene Gang im Felsen, wie ein Schützengraben. Hinzu kam unterhalb eine künstlich angelegte Höhle mit Seitengängen und Ausguckscharten. Möglicherweise im Ersten Weltkrieg hier oben von Soldaten gebaut.

Weiter ging es über kurvenreiche Straßen erst hinunter, dann wieder hinauf zum Col de Bonhomme. Hier oben waren mehrere Restaurants und Souvenirgeschäfte angesiedelt, wir aber hielten nur kurz auf dem Parkplatz, um die weitere Strecke zu besprechen.

Nach einiger Zeit erreichten wir durch herrlichen Wald den Col du Calvaire. Hier oben auf 1134 Metern Höhe liegt auch ein großes Skigebiet mit vielen Liftanlagen. Direkt am Parkplatz befindet sich die Sommerrodelanlage „Tricky Track“.

Wanderung zum Lac Blanc und Lac Noir

Wir machten uns Wanderfertig und zogen los. Erstes Ziel der Lac Blanc, der weiße See. Zunächst ging es steil über einen felsigen Weg hinab, dann schon konnten wir den von steilen Felswänden umrahmten See erkennen. 

Wir gingen bis zum Ufer, genossen etwas die Aussicht und setzten dann den Weg über große Felsbrocken fort, bis wir zum anderen Ende des Sees gelangten. Hier parkten viele Autos und trotz des Freitags waren zahlreiche Wanderer unterwegs. Nun, es sind ja auch in ganz Frankreich Sommerferien.

Nun führte der Weg durch dichten Wald, oft wieder über felsige, zum Teil steile Wege, dann erreichten wir den kleineren der Seen, den Lac Noir. Sein Wasser schien tatsächlich tiefschwarz, daher sein Name schwarzer See.

Hier machten wir Pause, verzehrten die gestern gekauften leckeren Pastetenscheiben, dazu ein kleines Bier.

Dann ging es weiter, wieder stetig bergauf. Wir mussten die 200 Höhenmeter, die wir insgesamt zum Lac Noir abgestiegen waren ja wieder erklimmen. Wir kamen durch wunderschöne Waldgebiete, deren Boden mit einem dicken, saftig grünen Moosteppich bedeckt war und liefen entlang herrlicher Wege. Die Vogesenhochebenen sind einfach wunderschöne Wandergebiete.

Über das Hochmoor zurück

Wieder oben auf der Höhe ging es nun recht bequem weiter, bis wir zum Abzweig Richtung Aussichtspunkt auf den Lac Blanc kamen. Von hier oben schimmerte er gar nicht mehr weiß, sondern genauso tiefschwarz wir der Lac Noir. 

Ein ganzes Stück gingen wir oberhalb des Sees entlang, dann ging es durch das Skigebiet zurück zum Wohnmobil. Fünf Stunden waren wir unterwegs gewesen, eine herrliche Wanderung.

 

Zum Abschluss gönnte ich mir eine Fahrt mit dem Schlitten auf dem „Tricky Track“, ein kindliches Vergnügen, doch leider begann es gerade jetzt zu regnen, sodass ich etwas feucht ins schon warme Wohnmobil zurückkehrte.

Erfolglose Restaurantsuche

Wir hatten uns vorgenommen, nach diesem wunderschönen Wandertag in ein Restaurant zum Essen zu gegen. Doch leider ist die Gaststättendichte hier nicht besonders groß oder sie haben schon ab 17 / 18:00 Uhr geschlossen.

Im nicht allzu weit entfernten Städtchen Orbey glaubten wir etwas finden zu können, doch das erste ausgesuchte Restaurant hatte geschlossen, im zweiten gab es erst ab 19:00 Uhr etwas, und so lange wollten wir nicht warten. Also kauften wir im nahegelegenen Supermarkt etwas ein und bereiteten dann auf einem schönen, ruhigen Parkplatz im Wohnmobil unser Abendessen zu.

Vielleicht klappt es ja morgen.

 

Dritter Tag, Samstag, 22.08.26

Nebel und Blaubeertorte

Heftigste Regenfälle begleiteten uns in der Nacht, doch am frühen Morgen war es ruhig und die Sonne zeigte sich hin und wieder. 

Wir brauchten lange bis zur Abfahrt, wieder hinauf auf den Col du Calvaire. Von dort ging es dann wieder südwärts Richtung Col de la Schlucht, doch auf etwas über 1000 Metern Höhe steckten wir nun komplett in den Wolken. Nichts war ringsum zu sehen. Es ging auf der Route des Crêtes entlang, vorbei an der kaum im Nebel sichtbaren Auberge de Graing Faing.

Von hier aus wollten wir eigentlich noch eine kleine Wanderung entlang des Kamms der Hochfläche machen, bei den Sichtverhältnissen jedoch sinnlos. Beate schlug vor, hier auf dem Parkplatz abzuwarten, da in ca. 1 ½ Stunden Wetterbesserung vorausgesagt war. Also parkten wir und vertrieben uns etwas die Zeit im Wagen. Trotz des Nebels waren viele Wanderer unterwegs hinauf zum Aussichtspunkt in 500 Metern Entfernung.

Die Wolken hoben sich langsam, immer klarer war die Gaststätte zu sehen und jetzt schlug ich vor, noch ein wenig bei typisch elsässischer Blaubeertorte und einem Cappuccino die wiederkehrende Sonne abzuwarten.

Kurze Wanderung zum Aussichtspunkt

Tatsächlich hoben sich wie in der Vorhersage angekündigt die Wolken und gaben Sonne und blauen Himmel frei. Nun konnten wir auch zum Aussichtspunkt laufen, von dem aus man tief hinabschauen konnte auf den Lac de Forlet und weiter ins flache Rheintal bis hinüber zum Schwarzwald. Wir wanderten noch etwas in dieser schönen Gegend und fuhren dann weiter zum Col de la Schlucht.

Massenhaft Wanderer

Am Col de la Schlucht waren wir schon mehrfach gewesen und hatten von hier aus schöne Wanderungen gemacht, eine wollte ich gern noch einmal unternehmen, den Sentier Roche entlang über kleine Kletterpassagen und steile Leitern. 

Doch schon ca. 1 Kilometer vor dem Pass parkte Auto an Auto und auf den Parkplätzen am Pass selber war kein freies Plätzchen mehr zu finden. Hier war halb Frankreich unterwegs. Bei solch einer Völkerwanderung hatte Beate keine Lust, sich da auch noch einzureihen.

Hinauf zum großen Belchen

So fuhren wir denn weiter zum Grand Ballon, der höchsten Erhebung in den Vogesen. Auch hier waren wir schon einmal, jedoch bei schlechterem Wetter. Wir parkten den Wagen am Beginn der Wanderwege hinauf auf den Gipfel und zogen los. Natürlich auch hier viele Wanderer, aber deutlich weniger als am Col de la Schlucht.

Der Weg hinauf zum Denkmal für die „Diables Bleu“, die blauen Teufel, ein Gebirgsjägerbataillon der französischen Armee, die im Ersten Weltkrieg kämpften, war weder besonders lang noch anstrengend.

 

Etwas weiter oben, auf der Spitze des Berges, befindet sich eine Radarstation für die zivile Luftfahrt. Hier hatte man 1997 auch eine Aussichtsplattform mit Orientierungstafeln gebaut, doch wie überall ist auch sie inzwischen abgesperrt und dem Verfall preisgegeben. Geld für die Instandsetzung ist nicht da.

Im Sonnenschein machten wir eine kleine Pause, ehe es auf einem anderen Weg wieder hinab ging. Nach etwas über einer Stunde waren wir am Wagen zurück.

Zum Museum am Hartmannsweilerkopf

Nicht weit entfernt und vom Grand Ballon aus gut zu sehen liegt der Hartmannsweilerkopf, der in den Vogesen zwischen Deutschland und Frankreich im Ersten Weltkrieg am härtesten umkämpfte Berg, auch „Menschenfresserberg“ genannt. Hier waren wir 2023 schon einmal, allerdings hatte ich das angeschlossene Museum damals nicht besucht. 

Während Beate im Wagen blieb durchstreifte ich das recht gut aufgemachte Museum, alle Erklärtexte waren dort groß in Französisch und Deutsch angeschrieben und klein in Englisch. Wenn man viel las, konnte man einen guten Eindruck bekommen von den Schrecken des Krieges und vor allem den Schlachten um den Hartmannsweilerkopf. 

Der Wahnsinn eines jeden Krieges wurde hier wieder deutlich, doch lernen tut die Menschheit daraus nichts.

Abendessen typisch elsässisch

Heute nun wollten wir es schaffen in einem Restaurant typisch zu essen. Gar nicht weit entfernt gab es die Ferme Auberge du Freundstein, in der wir auf der Terrasse sitzend gut und typisch elsässische Gerichte verspeisen konnten. 

Ich bestellte mir geräuchertes Schweinefleisch mit Roigebrageldis, letzteres war ein Kartoffelsalat ähnliches, warmes Gericht aus mehligen Kartoffeln, Zwiebeln, Öl und Salz. Beate ließ sich typisches Tartiflette servieren, Kartoffelscheiben mit Munsterkäse überbacken.

Nach dem Essen fuhren wir zurück zum Parkplatz des Museums am Hartmannsweilekopf, um dort die Nacht zu verbringen.

Vierter Tag, Sonntag, 23.08.26

Auf dem Schlachtfeld des Hartmannsweilekopfes

Zwar hatten wir im Mai 2023 schon einmal ausgiebig das Schlachtfeld auf dem Hartmannsweilekopf besucht, doch das heute herrliche Sonnenwetter veranlasste uns, noch einmal eine Wanderung hoch auf den Berggipfel zu unternehmen. 

Wieder durchstreiften wir die Gräben, Bunker und Befestigungen sowohl der deutschen wie auch der französischen Truppen, die sich hier monatelang Aug’ in Aug’ gegenüber lagen und durch ständige Eroberungen und Rückeroberungen des Gipfels unzählige Opfer erbrachten. 

 

Ist man jetzt hier oben und wird durch Texte und Bilder an die Zeiten vor über 100 Jahren erinnert, steht man fassungslos vor den Resten der Stellungen, der Bombenkrater und der hier und da noch vorhandenen Stacheldrahtverhaue. Stellt man sich noch vor, unter welchen menschenunwürdigen Verhältnissen hier bei Regen, Schnee und Kälte gekämpft werden musste, kann man nicht verstehen, warum heute wieder offen von Krieg auch in Deutschland von einigen Politikern gesprochen wird.

Die letzten Kilometer auf der Route des Cretes

Etwas über zwei Stunden wanderten wir kreuz und quer über diesen so geschichtsträchtigen Ort, der zur nationalen französischen Gedenkstätte geworden ist. Den Abschluss bildete der Gang über den Heldenfriedhof mit den unzähligen Betonkreuzen für die für Frankreich gefallenen Soldaten.

Dann nahmen wir die letzten Kilometer der Route des Crêtes unter die Räder, die in der Stadt Cernay endet. Nun ging es an Mühlhausen vorbei über den Rhein und auf die Autobahn nach Freiburg.

Schwarzwälder Kirschtorte im Schwarzwald

Unterwegs hatte Beate die Idee, noch einen Abstecher zu einer Konditorei zu machen, bei der es eine der besten Schwarzwälder Kirschtorten geben soll. Bei Titisee bogen wir ab auf die B 500, die Schwarzwaldhochstraße und folgten dieser nur bis Bärenthal, wo sich deutlich sichtbar das Café „Schwarzwaldmaidle“ an der Abzweigung zum Schluchsee befand. Hier kehrten wir ein, genossen ein gutes Stück der so gepriesenen Torte, na ja, und fuhren danach weiter Richtung Heimat.

Nach erlebnisreichen vier Tagen in den Vogesen waren wir wieder wohlbehalten zurück.

Gefahrene Kilometer: 1109 km

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